In ihrer September-Sitzung nahm die US-Notenbank Fed ihren Zinssenkungszyklus wieder auf und senkte den Leitzins um 25 Basispunkte (Bp) auf eine Spanne von 4,0 bis 4,25 Prozent, nachdem sie ihn seit Dezember nicht mehr angetastet hatte. Darüber hinaus signalisierten die Währungshüter, dass wegen der zunehmenden Schwäche auf dem Arbeitsmarkt künftig mit einer weniger restriktiven Haltung zu rechnen sei. Unsere Einschätzung stimmt mit dem Marktkonsens und den Fed-Prognosen überein, die zwei weitere Zinsschritte um jeweils 25 Basispunkte vor Jahresende voraussagen.
Der Tonfall des Fed-Statements – ebenso wie das aktualisierte Punktdiagramm zur Zinsprognose („Dot Plot“), das die Erwartung mehrerer Zinssenkungen signalisierte, und die Pressekonferenz von Fed-Chef Jerome Powell – ließ durchblicken, dass die Besorgnis um den schwächelnden Arbeitsmarkt inzwischen schwerer wiegt als die Bedenken hinsichtlich der Inflation, die weiterhin größtenteils durch die Zölle angeheizt wird. Zugleich wurde die Abkühlung des Arbeitsmarkts nicht für ausreichend gravierend erachtet, dass sie ein stärkeres Anziehen der Zinszügel rechtfertige. Fed-Chef Powell beschrieb den Zinsschritt um einen Viertelprozentpunkt als eine Maßnahme des „Risikomanagements“ und betonte, dass eine Senkung um 50 Basispunkte nicht ernsthaft diskutiert worden sei.
Der Beschluss wurde nicht einstimmig gefasst. So sprach sich der neu ernannte Fed-Gouverneur Stephen Miran für einen größeren Zinsschritt um 50 Basispunkte aus, während das Punktdiagramm zur Zinsprognose zeigte, dass einer der Beamten es vorgezogen hätte, die Zinsen bei dieser Sitzung unverändert zu belassen. Dennoch scheint die Mehrheit der Notenbanker eine schrittweise Annäherung an einen neutralen Leitzins, der nach Schätzungen der Zentralbank bei rund drei Prozent liegt, in den nächsten Jahren zu befürworten.
Die Fed hielt zudem an ihrer aktuellen Bilanzpolitik fest, ihre Bestände an US-Staatsanleihen und hypothekenbesicherten Wertpapieren der US-Behörden schrittweise zu reduzieren. (Unsere neuesten Einschätzungen zu den Hypothekenbeständen der US-Notenbank erfahren Sie in unseren PIMCO-Perspektiven: „Eine naheliegende Lösung der Fed für den Wohnungsmarkt“.)
Der weithin erwartete Schritt verunsichert die Märkte nicht
Die Entscheidung der Fed stimmte weitgehend mit den Erwartungen überein. Die Marktreaktion fiel zunächst gedämpft aus, obschon die Renditen mittelfristiger US-Staatsanleihen anzogen und den Tag auf leicht höherem Niveau schlossen.
Im Vorfeld der Sitzung hatten die Terminmärkte bereits eine hohe Wahrscheinlichkeit für zwei weitere Zinssenkungen um jeweils 25 Basispunkte im laufenden Jahr eingepreist. Das Gleiche galt für den längerfristigen US-Zinskurs in Richtung Neutralität, da Anleger mit einer Reaktion der Entscheidungsträger auf die sich verschlechternden Arbeitsbedingungen rechneten.
Die Arbeitsmarktrisiken bewirken eine Anpassung von Stellungnahme und Prognosen
Im Statement der Fed wurde eine Akzentverschiebung deutlich, als sie betonte, dass „die Abwärtsrisiken für die Beschäftigung gestiegen“ seien, während die Inflation „etwas erhöht“ bliebe. Die Besorgnis um den Arbeitsmarkt führte nicht nur zu dem Zinsschritt auf der September-Sitzung, sondern sorgte auch für eine Anpassung bei den Zinsprognosen der Währungshüter. So legt die mittlere Prognose nunmehr Zinssenkungen um insgesamt 75 Basispunkte bis Ende 2025 nahe, was zwei weitere Zinsschritte um 25 Basispunkte im Oktober und im Dezember bedeutet. Der Median verschob sich nur leicht nach unten – mit neun Fed-Vertretern, die weiterhin eine Lockerung um weniger als 75 Basispunkte in diesem Jahr bevorzugen. Die Abwärtskorrektur des Zinspfads deutet außerdem darauf hin, dass die Arbeitsmarktrisiken in den Augen der Fed zwar eine schnellere Rückkehr zur Neutralität rechtfertigen, die Wirtschaftslage sich aber nicht ausreichend verschlechtert hat, dass eine eine Ausweitung der Geldpolitik gerechtfertigt wäre.
Die neu vorgelegten Projektionen bis 2028 zeigten die Erwartung der Fed-Vertreter, dass die Leitzinsen bis dahin zur Neutralität zurückkehren, was mit der Schätzung für den langfristigen Zinssatz übereinstimmt. Interessant war, dass die einzelnen längerfristigen Schätzwerte in Richtung der Medianprognose von drei Prozent konvergierten: Notenbankbeamte, die zuvor einen über dem Median liegenden langfristigen Zins prognostiziert hatten, korrigierten ihre Schätzungen nach unten, während ein oder zwei der niedrigeren Schätzungen leicht angehoben wurden.
Powell legte einen gemäßigten Tonfall an den Tag
Obwohl die Renditen während der Pressekonferenz um einige Basispunkte anzogen, hielten wir die Äußerungen von Fed-Chef Powell für maßvoll. Er bezeichnete den Zinsschritt als eine Maßnahme des „Risikomanagements“ und gab zu verstehen, dass eine Senkung um 50 Basispunkte nicht ernsthaft diskutiert worden sei. Zugleich betonte er, dass die Fed ihrem doppelten Mandat treu bliebe, und räumte ein, dass die Abwärtsrisiken auf dem Arbeitsmarkt zugenommen hätten. In seinen Ausführungen zum verlangsamten Beschäftigungswachstum und dem Rückgang sowohl des Angebots als auch der Nachfrage nach Arbeitskräften (das er „merkwürdiges Gleichgewicht“ nannte) zeichnete sich eine veränderte Wortwahl gegenüber der Pressekonferenz vom Juli ab, in der er sein Augenmerk stärker auf die angebotsseitige Dynamik gerichtet hatte.
Die Inflation bleibt aufgrund von zollbedingten Preisanpassungen – insbesondere bei Waren – etwas erhöht. Nichtsdestotrotz betonte Powell, dass die Inflationserwartungen stabil seien. Er beschrieb die Zinssenkung als einen „Schritt in Richtung Neutralität“ und merkte an, dass die Fed über ausreichend Spielraum für eine Reaktion verfüge, falls sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt verschlechtere.
Ausblick: Eine komplexe Landschaft für Entscheidungsträger
Die US-Notenbanker stehen unter zunehmendem politischem Druck, insbesondere seitdem die Arbeitsmarktzahlen deutliche Anzeichen einer Schwäche erkennen lassen. Zugleich hat die Kombination aus strengerer Einwanderungspolitik, KI-bedingter Verdrängung von Arbeitskräften und zollbedingten Angebotsschocks ein komplexes Umfeld für die Geldpolitik geschaffen. Aus unserer Sicht spiegelt die Zinsentscheidung der Fed ihr Bemühen wider, ein Gleichgewicht zwischen der Notwendigkeit, Wachstum und Beschäftigung zu fördern, und der, der Inflation weiterhin glaubwürdig die Stirn zu bieten, herzustellen.
Künftig wird es darauf ankommen, ob Produktivitätssteigerungen durch KI und Automatisierung die Angebotsschocks auf dem Arbeitsmarkt ausgleichen und das Wirtschaftswachstum wieder ankurbeln können, wobei die Fiskalpolitik im Jahr 2026 potenziell zusätzliche Unterstützung bietet.
Die Fed hat ihren Zug vorerst gemacht. Außerdem hat sie ihre Bereitschaft signalisiert, weitere Schritte zu unternehmen, wenn die Arbeitsmärkte durch die unterschiedlichen wirtschaftspolitischen Weichenstellungen dieses Jahres in Sachen Steuern, Handel und Einwanderung weiter belastet werden. (Mehr hierzu erfahren Sie in unserer aktuellen Veröffentlichung Macro Signposts „U.S. Labor Markets: A Release Valve for Tariff Pressure?“.) Nach unserem Dafürhalten ist das geldpolitische Vorgehen, die Zinssätze schrittweise in Richtung Neutralität zu befördern, eine sinnvolle Risikomanagement-Strategie in diesem komplexen Umfeld.
Well-telegraphed move doesn’t rattle markets
The Fed’s decisions were broadly in line with expectations. Market reaction was initially muted, but yields on intermediate-maturity U.S. Treasuries rose and ended the day modestly higher.
Ahead of the meeting, futures markets were already pricing a high probability of two additional 25-bp rate cuts this year. The Fed’s longer-run path toward neutral had already been priced in as well, as investors anticipated that policymakers would respond to deteriorating labor conditions.
Labor market risks drive statement and forecast revisions
The Fed’s statement reflected a shift in emphasis, highlighting that “downside risks to employment have risen,” while saying inflation remained “somewhat elevated.” These labor market concerns not only prompted the rate cut at the September meeting but also led to changes in Fed policy projections. The median projection now anticipates a total of 75 bps of cuts by the end of 2025, implying two additional 25-bp cuts in October and December. The median just narrowly edged down, with nine Fed officials still preferring easing by less than 75 bps this year. The downward rate path revisions also suggest that while the Fed views labor market risks as warranting a faster pace back to neutral, economic conditions haven’t deteriorated enough to warrant moving policy into accommodative territory.
The newly introduced 2028 dots showed Fed officials anticipate policy rates to return to neutral by then, consistent with the long-run rate estimate. Interestingly, the longer-run dots converged toward the median projection of 3%. Officials who had previously projected a long-run rate above the median revised their projections down, while one or two of the lower estimates were adjusted slightly higher.
Chair Powell’s tone was measured
Although yields ticked a few basis points higher throughout the press conference, we thought Powell’s comments were measured. He characterized the rate cut as a “risk management” move, and suggested that a 50-bp cut was not seriously discussed. At the same time, he emphasized the Fed’s commitment to its dual mandate and acknowledged increased downside labor market risks. His discussion of slowing hiring momentum and weaker labor supply and demand growth (which he called “a curious balance”) was a shift in tone relative to the July press conference, when he focused more on supply-side dynamics.
Inflation has remained somewhat elevated, pressured by tariff-related price adjustments – particularly in goods. But Powell emphasized that inflation expectations look stable. He framed the rate cut as “taking a step toward neutral” and noted the Fed has plenty of room to react if labor market activity begins to contract.
Looking ahead: a complex landscape for policymakers
Political pressure on the Fed has been building, particularly after clear signs of weakness appeared in the labor market data. However, the combination of tighter immigration policy, AI-driven labor displacement, and tariff-related supply shocks has created a complex environment for monetary policy. In our view, the Fed’s decision to cut rates reflects its effort to balance the need to support growth and employment with the imperative to maintain inflation credibility.
Looking ahead, the key questions will be whether productivity gains from AI and automation can offset labor supply shocks and reaccelerate economic growth, with fiscal policy in 2026 potentially providing additional support.
For now, the Fed has made its move. It has also signaled it’s ready to do more if labor markets are further strained by this year’s various economic policy pivots on tax, trade, and immigration. (Learn more in our recent Macro Signposts piece, “U.S. Labor Markets: A Release Valve for Tariff Pressure?”) We believe a monetary policy approach of gradually moving interest rates toward neutral is a reasonable risk management strategy in this complex environment.