Anleihen verstehen – Fachbegriffe einfach erklärt
Jede Investmentart hat ihre eigene Sprache, festverzinsliche Wertpapiere bilden da keine Ausnahme. Auch wenn Investmentexperten diese Begriffe täglich verwenden, können komplexe technische Fachbegriffe es Anlegern erschweren, ein klares Verständnis der Anlageklasse zu gewinnen. Um Ihnen einen besseren Überblick über die Welt der Anleihen zu verschaffen, finden Sie hier einige der gebräuchlichsten Begriffe im Bereich der festverzinslichen Wertpapiere. Um Ihnen ein umfassenderes Bild zum Thema Anleiheninvestments zu vermitteln, haben wir Links zu anderen Artikeln dieser Reihe eingefügt, in denen die besagten Begriffe verwendet werden.
Anleihen und festverzinsliche Wertpapiere: Sind sie ein und dasselbe?
Ja. Im Allgemeinen bezeichnen sowohl festverzinsliche Wertpapiere als auch Anleihen Schulden, die von einer Regierung oder einem Unternehmen emittiert werden und während ihrer gesamten Laufzeit einen festgelegten Zinssatz bezahlen.
Glossar der wichtigsten Begriffe
Eine Anleihe ist ein Darlehensvertrag zwischen einem Emittenten (zum Beispiel einer Regierung oder einem Unternehmen) und einem Kreditgeber (dem Investor).
Der Kupon ist der feste Zinssatz (oder das Einkommen), den eine Anleihe Anlegern während ihrer Laufzeit in regelmäßigen Abständen auszahlt – vierteljährlich, halbjährlich oder jährlich. Diese regelmäßige Zahlungsstruktur ist es, die ein festes Einkommen definiert. Sie unterscheidet sich von Aktien, bei denen Anleger zwar Dividenden erhalten können, diese jedoch nach Ermessen des Unternehmens gezahlt werden und keine rechtliche Verpflichtung darstellen.
Kreditauflagen (Covenants)
Die Zahlungsstruktur ist eine rechtliche Vereinbarung zwischen dem Anleihengläubiger und dem Anleihenemittenten. Darin werden die Anforderungen dargelegt, die ein Emittent während der Laufzeit der Anleihe erfüllen muss. Im einfachsten Fall verpflichtet ein solcher rechtlich durchsetzbarer Vertrag den Emittenten zur Zahlung des Kupons und zur Rückzahlung des Kapitals.
Jede Anleihe birgt das Risiko, dass der Emittent den Kredit zum Fälligkeitstermin der Anleihe nicht vollständig zurückzahlen kann. Wenn dies geschieht, spricht man von einem Ausfall oder Zahlungsverzug. Es ist wichtig zu erwähnen, dass bei einer Insolvenz die Anleihengläubiger bei der Auszahlung Vorrang vor den Aktionären des Unternehmens haben, was es den Anleihengläubigern ermöglichen kann, je nach der finanziellen Situation des Emittenten einen Teil ihres Kapitals zurückzuerhalten.
Wenn die Zinsen steigen, fallen in der Regel die Anleihenkurse, und umgekehrt. Die Duration misst die Sensitivität einer Anleihe gegenüber diesen Zinsänderungen.
Die Laufzeit eines Anleihen-Portfolios kann sich im Lauf der Zeit ändern, wenn Anleihen im Portfolio fällig werden oder sich die Zinssätze ändern.
Das ist der Betrag, den der Emittent den Anlegern bei Fälligkeit der Anleihe zurückzuzahlen hat, vorausgesetzt, es kommt zu keinem Zahlungsausfall.
Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating
Investment-Grade-Unternehmensanleihen werden von soliden, oft bekannten Unternehmen mit robuster Kreditwürdigkeit emittiert, was auf ein geringeres Ausfallrisiko hindeutet.
Organisationen, die durch die Ausgabe einer Anleihe Geld leihen möchte, zum Beispiel Regierungen, Unternehmen oder Regierungsbehörden.
Diese auch als spekulative Anleihen oder Hochzinsanleihen bekannten Wertpapiere werden von Unternehmen mit geringerer Kreditwürdigkeit und höherem Ausfallrisiko als Investment-Grade-Unternehmen ausgegeben.
Der Tag, an dem die Anleihe endet und der Emittent den Kapitalbetrag (den ursprünglichen Darlehensbetrag) zurückzahlt.
Anleihen erhalten ihre Kreditratings von unabhängigen Ratingagenturen wie Moody’s und Standard & Poor’s. Das Kreditrating gibt einem Anleger Auskunft darüber, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Emittent die Zinsen und das Kapital fristgerecht zurückzahlen wird. Wird die Kreditwürdigkeit einer Anleihe herabgestuft, verliert sie an Attraktivität, und ihr Kurs kann sinken.
Der Spread ist die Differenz der Renditen zweier Anleihen und spiegelt in der Regel die zusätzliche Rendite wider, die ein Anleger durch die Übernahme eines höheren Risikos erzielen kann. Wenn beispielsweise eine Staatsanleihe einen Kupon von fünf Prozent und eine Unternehmensanleihe einen von sieben Prozent zahlt, beträgt die Differenz zwei Prozentpunkte. Spreads werden häufig verwendet, um Anleihen mit ähnlicher Laufzeit, aber unterschiedlicher Bonität zu vergleichen, und sie sind ein wichtiger Indikator für die Marktstimmung.
Die Rendite stellt den tatsächlichen Betrag dar, den ein Anleger für das Verleihen seines Geldes erhält. Während der Kuponzinssatz der bei der Emission festgelegte feste Zinssatz ist, schwankt die Rendite je nach Entwicklung des Marktpreises der Anleihe, also ihres Kurses. Steigt der Kurs einer Anleihe, sinkt die Rendite (da man für denselben Kupon mehr bezahlt). Umgekehrt gilt: Wenn Sie eine Anleihe unter ihrem Nennwert kaufen, ist Ihre effektive Rendite höher.
Rendite bis Fälligkeit
Die Rendite bis zur Fälligkeit stellt die geschätzte jährliche Gesamtrendite dar, die ein Anleger erzielen sollte, wenn er eine Anleihe zum aktuellen Marktwert kauft und sie bis zum Fälligkeitstermin hält. Da sie einen umfassenden Überblick über den potenziellen Ertrag einer Anleihe bietet, ist sie ein nützliches Maß zum Vergleich verschiedener Anleihen.
Die Zinsstrukturkurve ist eine grafische Darstellung des Zusammenhangs zwischen der Rendite einer Anleihe bis zur Fälligkeit und ihrer Restlaufzeit. Sie stellt typischerweise die Renditen von Anleihen dar, die die gleiche Kreditwürdigkeit aufweisen, aber unterschiedliche Laufzeiten haben. Die Form der Zinsstrukturkurve gibt Aufschluss über die Markterwartungen hinsichtlich künftiger Zinssätze. Eine ansteigende Kurve deutet beispielsweise darauf hin, dass die Marktteilnehmer mit steigenden Zinsen rechnen. Da die Steigung die Stimmung der Anleger hinsichtlich der zukünftigen Zinssätze widerspiegelt, dient sie ganz allgemein als nützlicher Indikator für die konjunkturellen Aussichten.