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Konjunkturausblick

Komplexe Kontingenz: Konflikte, Kreditrisiken und KI

In einer Welt der zunehmenden Unsicherheit und Divergenz geht es bei der Vermögensanlage weniger um Prognosen und mehr um eine Präferenz für liquidere, qualitativ hochwertige Assets, die in den unterschiedlichsten Szenarien für Resilienz sorgen können.
Layered Uncertainty: Conflict, Credit Stress, and AI
Komplexe Kontingenz: Konflikte, Kreditrisiken und KI
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Das Anlageumfeld hat sich seit unserem Konjunkturausblick vom Januar mit dem Titel „Renditechancen durch Resilienz“ maßgeblich verändert. Der Konflikt im Nahen Osten hat die Förderung und den Transport von Erdöl erschüttert und die Finanzmärkte veranlasst, die Erwartungen hinsichtlich Wachstum, Inflation und Notenbankpolitik neu zu bewerten. Auf den privaten Kreditmärkten rücken Risiken wie Illiquidität und intransparente Preisgestaltung zunehmend in den Fokus der Anleger. Gleichzeitig treibt künstliche Intelligenz (KI) den investitionsgetriebenen Aufschwung voran, setzt aber auch einzelne Branchen unter Druck. Während einige dieser Schocks kurtzfristige Auswirkungen haben dürften, scheinen andere eher von längerer Dauer zu sein.

Schlussfolgerungen zum Konjunkturausblick

  • Der Energieschock erhöht das Risiko einer Stagflation und verschärft Ungleichheiten
    Das globale Wachstum zeigte sich resilienter als erwartet, trotz zunehmender Divergenz unter der Oberfläche. Der Nahostkonflikt stellt einen gewaltigen Schock für die weltweite Energieversorgung dar. Hält er an, so wird er vermutlich einen stagflationären Effekt haben – und die Inflation weiter in die Höhe treiben, während er das Wachstum bremst. Die gestiegenen Energiepreise vergrößern bestehende Unterschiede zwischen Gewinnern und Verlierern – und schaffen zugleich neue, über Länder, Sektoren, Unternehmen und Haushalte hinweg.
  • Die Regierungen könnten vor einem politischen Paradoxon stehen
    Der Zielkonflikt zwischen höherem Inflationsdruck und schwächerem Wachstum setzt die Zentralbanken unter Druck, während die Märkte die finanziellen Bedingungen bereits straffen. Wir erwarten nicht, dass die Zentralbanken der jüngsten Neubewertung der Leitzinserwartungen am Markt in vollem Umfang folgen. Die Rezessionsrisiken haben zugenommen, während die hohe Staatsverschuldung den Spielraum für haushaltspolitische Maßnahmen einschränkt – was bedeutet, dass sich Schocks unmittelbarer auf anfällige Haushalte, kleinere Unternehmen und die Kreditmärkte übertragen könnten.
  • Das Umfeld ist ein anderes als im Jahr 2022
    Im Jahr 2022 traf der Energieschock infolge des Russland-Ukraine-Konflikts auf eine postpandemische Wirtschaft, die durch einen Konsumstau, staatliche Förderprogramme und Engpässe an den Arbeitsmärkten geprägt war, was die Inflation noch verstärkte. Heute ist die Fiskalpolitik restriktiver, die Lage an den Arbeitsmärkten weniger angespannt, und die Leitzinsen sind schon jetzt neutral bis restriktiv, wodurch das Risiko einer anhaltenden Inflation verringert wird.

Schlussfolgerungen für Investments

  • Auf Resilienz und Qualität setzen
    Das robuste Gesamtwachstum und die zunehmenden Ungleichheiten sprechen für qualitativ hochwertige Festzinsanlagen. Anleger können sich über Anleihen gegen Abwärtsrisiken absichern und unterschiedliche Entwicklungen mithilfe von aktivem Management meistern. Die Anfangsrenditen liegen derzeit wesentlich höher als im Jahr 2022 und bieten somit einen Puffer gegen extreme Inflationsszenarien.
  • Liquidität wie einen Vermögenswert behandeln
    Im Private-Credit-Bereich bleibt die direkte Kreditvergabe an Unternehmen illiquide und intransparent. Anleger haben die Möglichkeit, bei ähnlichen Renditen in liquide und transparente festverzinsliche Anlagen an den öffentlichen Märkten umzuschichten. Die Anzeichen von spätzyklischen Spannungen im Kreditsektor unterstreichen die Notwendigkeit, selektiv vorzugehen, Preis- und Liquiditätsbedingungen genau zu prüfen und mit Sicherheiten hinterlegte Positionen höherer Qualität zu bevorzugen.
  • Diversifiziert und selektiv bleiben
    Wir bevorzugen eine globale Streuung mit gezielter Diversifikation über verschiedene Regionen und Währungen hinweg, um die Portfolios weiter zu stärken. In diesem Zusammenhang sollten auch Instrumente der Inflationsabsicherung wie Rohstoffe und Sachwerte in Betracht gezogen werden.

Abbildung 1: Energieimporteure sind am stärksten von Änderungen der Zinsen und Inflationserwartungen betroffen

Scatter plot showing relative changes in sovereign bond yields and inflation expectations across several countries. Energy exporting countries show smaller inflation expectation increases, while energy importing countries show larger increases and varying yield changes.

Quelle: PIMCO und Bloomberg; Stand: 19. März 2026. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist keine Garantie oder ein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Hinweis: Mexiko ist Exporteur von Rohöl und Nettoimporteur von raffinierten Erdölprodukten.

In ähnlicher Weise wurde die eventuelle Lockerungspolitik in den Schwellenländern mehrheitlich ausgepreist – wobei es auch hier größere Unterschiede zwischen Energieimporteuren und -exporteuren gibt. Den Zentralbanken der Schwellenländer wird es noch schwerer fallen als ihren Pendants in den Industrienationen, anfangs die Auswirkungen des Energieschocks auf die Inflation zu analysieren; die meisten verfügen dank der bereits vor dem Schock erhöhten Leitzinsen allerdings über größere Realrendite-Puffer.

In unserem Basisszenario, dass sich die Energiemärkte im Einklang mit den Terminkursen bewegen, rechnen wir mit einer markanten Umkehr der Kursverluste kurz laufender Zinspapiere aus zahlreichen Industrie- und Schwellenländern. Wie die Notenbanker bei ihren März-Sitzungen jedoch kundtaten, sind die unmittelbaren Aussichten mit viel Unsicherheit behaftet.

Abbildung 2: Ein massiver Ansturm wie im Private-Credit-Segment kann Schwachstellen aufdecken

Quelle: J.P. Morgan und Preqin, basierend auf den neuesten verfügbaren Daten. Daten zum Hypothekenmarkt (links) bis einschließlich 31. Dezember 2025. Daten zu privaten Krediten (rechts) bis einschließlich 30. Juni 2025. GFC bezieht sich auf die globale Finanzkrise von 2008.

Für Anleger scheinen Direktkreditvergabe („Direct Lending“) – das Segment, das maßgeblich für das Wachstum im Private-Credit-Bereich verantwortlich war – angesichts der sich verschärfenden Finanzbedingungen weit weniger überzeugend. Grundsätzlich ist zwar nichts Verwerfliches daran, private Vermögenswerte zu halten – vorausgesetzt, die Anleger werden für ihre Illiquidität angemessen entschädigt. Im Direct‑Lending‑Segment hat sich diese Illiquiditätsprämie jedoch verringert – und zwar zu einem Zeitpunkt, an dem Refinanzierungsrisiken, nachlassende Underwriting‑Disziplin sowie Fragen zur Preistransparenz deutlich zugenommen haben. Direct-Lending-Strategien basieren eher auf der gemeldeten Preisstabilität als auf der marktbasierten Preisfindung und können so lange belastbar erscheinen, bis Spannungen auftreten – wie in letzter Zeit.

Da die Anleger dem Illiquiditätsrisiko wieder mehr Bedeutung beimessen, hat sich die Diskrepanz zwischen den Bewertungen am öffentlichen und am privaten Markt verschärft. Börsennotierte Business Development Companies (BDCs) – Anlagevehikel für private Direktkredite – werden mit erheblichen Abschlägen zu ihrem Nettoinventarwert gehandelt (siehe Abbildung 3). Dies ist unseres Erachtens jedoch eine Problematik der direkten Kreditvergabe und kein Vorwurf gegen den Private-Credit-Sektors als Ganzes, der nach wie vor Strategien umfasst, die Illiquidität besser kompensieren und Risiken expliziter einpreisen.

Abbildung 3: Börsennotierte BDCs preisen beträchtliche Abschläge zum NIW ein

Line chart comparing traded business development company (BDC) average prices and net asset value from March 2024 through March 2026. Average prices fluctuate between $12 and $18 and trend lower recently, while net asset value remains relatively stable.

Quelle: PIMCO und Bloomberg; Stand: 20. März 2026. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist keine Garantie und kein zuverlässiger Indikator für künftige Ergebnisse.

Mit Blick auf den relativen Wert spricht dies für eine Umschichtung von Direktkrediten auf hochwertige öffentliche Festzinspapiere. Zahlreiche Anlagemöglichkeiten mit attraktiven Liquiditätsprofilen und transparenter Preisgestaltung bringen mittlerweile Renditen, die mit jenen privater Kredite vergleichbar sind. Angesichts der zunehmenden Volatilität und der wachsenden Ungleichheiten ist die Fähigkeit, das Abwärtsrisiko zu managen und Kapital bei sich ändernden Bedingungen umzuschichten, wichtiger als der Versuch, Mehrrendite durch einen Verzicht auf Liquidität zu erzielen.

Private Credit stellt in unseren Augen kein systemisches Risiko dar, und es gibt viele Bereiche des Markts, die nach wie vor attraktiv sind (mehr dazu in unserer Veröffentlichung vom März: „Verschiedene Bereiche von Private Credit bieten weiterhin attraktives Potenzial“). Dennoch könnten Spannungen im Private-Credit-Bereich zu einer Verschärfung der Finanzbedingungen beitragen und sich negativ auf Einstellungsdynamik und Investitionen auswirken.

Je weiter der Zyklus voranschreitet, desto stärker werden Bottom-up-Research und Differenzierung von den Kreditmärkten – privaten wie öffentlichen – belohnt. Solide Bilanzen, beständige Cashflows und erstklassige Sicherheiten sind wichtiger als die nominale Rendite – vor allem in Sektoren, die einen strukturellen Wandel durchlaufen. Das Entscheidende ist, sich auf das bestmögliche Anlageergebnis zu konzentrieren, anstatt lediglich Kapital in den Schwerpunktbereich eines Vermögensverwalters zu investieren.

Wir von PIMCO haben es geschafft, seit mehr als fünf Jahrzehnten Kreditzyklen erfolgreich zu meistern. Wenn wir heute das Spektrum öffentlicher und privater Kreditprodukte betrachten, sehen wir den größten Wert in Bereichen wie US-amerikanischen Agency-MBS, Investment-Grade-Emittenten mit stabilen und vorhersehbaren Cashflows sowie hochwertigen verbrieften Krediten.

Im Private-Credit-Bereich bevorzugen wir Asset Based Finance (ABF) und vorrangige Gewerbeimmobilienkredite. Auch wenn der Wettbewerb im ABF-Segment zugenommen hat, handelt es sich weiterhin um einen großen und attraktiven Markt, der Sicherheiten bietet und weniger stark mit den Gewinnzyklen der Unternehmen korreliert ist als direkte Kredite. Da der globale Immobilienmarkt bereits einen zyklischen Abschwung hinter sich hat, können Anleger Kredite gegen Vermögenswerte gewähren, die potenziell 15 bis 40 Prozent unter ihrem Höchstwert gehandelt werden. 

Im Gegensatz dazu sind wir zurückhaltend bei Direktkrediten und Bankdarlehen mit schwachen Kreditklauseln, bonitätsschwächeren Hochzinsemittenten und zahlreichen Vehikelstrukturen, deren gebotene Liquidität nicht mit den zugrunde liegenden Vermögenswerten übereinstimmt.

Auf den Kreditmärkten wurden die Risiken infolge des Nahostkonflikts nur in geringem Maß neu bewertet. Unser Schwerpunkt liegt auf einer stärkeren Minderung von Verlusten, da die Risiken möglicherweise stärker zugenommen haben, als es die Marktpreise widerspiegeln.

Festzinsanlagen stehen wieder im Mittelpunkt des Portfolioaufbaus

Hochwertige Anleihen nehmen einmal mehr eine wichtige Rolle in Portfolios ein und erscheinen in einer Vielzahl wirtschaftlicher Szenarien attraktiv. Für Portfolios, die sich stark in Richtung Aktien entwickelt haben (siehe Abbildung 4), ist dies ein guter Zeitpunkt, um eine Neuausrichtung in Betracht zu ziehen. Die Renditen im liquideren Fixed‑Income‑Segment bleiben attraktiv und bilden eine solide Grundlage für marktorientierte Erträge und Renditen. Wenn Chancen aufgrund von Volatilität und Fehlbewertungen zusammentreffen, entsteht ein außergewöhnliches Umfeld für aktive Manager, um Alpha zu generieren – also den breiteren Markt zu übertreffen.

Abbildung 4: Aktien machen einen historisch hohen Anteil des Finanzvermögens privater Haushalte aus

Two line charts showing household asset ownership from 1955 to 2025. Equity ownership generally rises over time and reaches 33% as of 2025, while fixed income ownership generally declines and stands at 9% as of 2025.
Quelle: PIMCO und Federal Reserve Board; Stand: 6. Februar 2026.

Erstklassige Anleihen können als Ertragsquelle dienen, als Puffer gegen Aktienmarktschwankungen fungieren, eine wertvolle Diversifikation im Fall enttäuschender Wachstumszahlen oder sich eintrübender Risikostimmung bieten und Liquidität bereitstellen, die bei Marktverwerfungen neu eingesetzt werden kann.

Wir setzen auf eine leichte Übergewichtung der Duration. In den USA gilt der Markt für Staatsanleihen nach wie vor als „sicherer Hafen“, der beständige Renditen abwirft und für eine Diversifikation des Portfolios sorgt. Was die Renditekurve betrifft, bevorzugen wir eine ausgewogenere Allokation, da die Renditen über ein breites Spektrum von Laufzeiten hinweg attraktiv erscheinen.

Außerdem spricht nach wie vor vieles für eine globale Diversifikation. Die Entwicklungen der einzelnen Länder driften weiter auseinander, was sowohl Risiken als auch Chancen birgt. Anstatt von korrelierten globalen Ergebnissen auszugehen, können Anleger von gezielten Engagements in ausgewählten Industrie- und Schwellenländern mit attraktiven Realrenditen und glaubwürdigen politischen Rahmenbedingungen profitieren.

Die Währungspositionierung gewinnt in diesem Umfeld an Bedeutung, insbesondere angesichts der zunehmenden Divergenz zwischen Energieexporteuren und -importeuren. Auch inflationssensiblen Vermögenswerten sollte derzeit eine bewusstere Rolle in den Portfolios zukommen. Rohstoffe, Sachwerte und inflationsgeschützte US-Staatsanleihen (TIPS) können dazu beitragen, reale Kaufkraftverluste abzusichern und die Renditen zu diversifizieren, wenn traditionelle Beziehungen zwischen Vermögenswerten weniger zuverlässig werden. Diese Positionen können zur Steigerung der Portfolioresilienz beitragen.

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Auch wenn der Direct‑Lending‑Sektor unter Beobachtung steht, bleibt Private Credit ein breit diversifizierter Markt mit einer Vielzahl investierbarer Chancen.

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Überraschungen statt Stabilität und Gewissheiten könnten das prägende Merkmal des Jahres 2026 sein, da die politische Volatilität die Märkte und die Investmentchancen neu gestalten wird.

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