Unser wichtigster Ratschlag für Anleger im Jahr 2026 ist einfach: Erwarten Sie das Unerwartete.
Kaum einen Monat nach Beginn des Jahres 2026 haben die Märkte bereits mehrere Phasen rollierender, ereignisgetriebener Volatilität überstanden. Geopolitische Überraschungen und politische Kurswechsel haben zu starken Preis- und Kursbewegungen von den USA über Japan bis Europa geführt, von Staatsanleihen über Währungen bis hin zu Hypotheken. Oft reagierten die Märkte schnell auf Schlagzeilen – und änderten dann genauso schnell wieder ihre Richtung.
In früheren Zyklen schienen die geopolitischen Grundlagen stabiler zu sein, und die Zentralbanken kündigten ihre Maßnahmen Quartale im Voraus an. Heute treibt die grundlegende Unsicherheit hinsichtlich der Entscheidungen der US-Regierung die Volatilität an. Wir gehen davon aus, dass das Muster von Überraschungen, Preisschwankungen und sich schnell ändernden Marktnarrativen anhalten wird – und Anleger müssen sich darauf einstellen.
Die Zeit der Fragmentierung
Jahrzehntelang verließen sich Investoren auf ein stabiles globales System, das auf offenen Märkten und gemeinsamen politischen Normen beruhte. Dieses System bricht gerade zusammen. Tatsächlich warnte der kanadische Premierminister Mark Carney, ein ehemaliges Mitglied des Global Advisory Board von PIMCO, auf dem Weltwirtschaftsforum im Januar vor einem „Bruch in der Weltordnung“. Langjährige Annahmen über Handel, Haushaltsdisziplin, institutionelle Unabhängigkeit und globale Allianzen werden allesamt auf die Probe gestellt – eine Transformation, die wir in unserem langfristigen Ausblick 2025 mit dem Titel „Die Zeit der Fragmentierung“ vorhergesehen haben.
Eine stärker fragmentierte, merkantilistische Welt verändert die Funktionsweise der Märkte. Kapital kann weniger effizient eingesetzt werden, wenn Nationen strategischen Interessen Vorrang einräumen vor rein wirtschaftlichen. Neue Risiken – aber auch neue Chancen – können in Märkten entstehen, die historisch als stabil galten. Die Kluft zwischen Gewinnern und Verlierern dürfte sich zwischen Ländern, Branchen und Unternehmen vergrößern.
Die Fragmentierung äußert sich in einer größeren Streuung und einer stärkeren Sensibilität gegenüber politischen Schocks. Unter solchen Bedingungen ist eine aktive Wertpapierauswahl gegenüber einer breiten Marktstreuung vorteilhafter.
Fallstudie: USA
Die Kommunikation der US-Politik stand im Mittelpunkt der jüngsten Turbulenzen. Eine unvollständige Liste dessen, was die Märkte im Januar zu verdauen hatten:
- Eine Militäroperation in Venezuela
- Unsicherheit mit Blick auf die US-Absichten in Grönland
- Ein unerwarteter Vorschlag zur Begrenzung der Kreditkartenzinsen auf zehn Prozent
- Ein Medicare-Vorschlag, die Zahlungen an die Versicherer im Jahr 2027 nahezu konstant zu halten
- Eine Anweisung an die staatlich unterstützten Wohnungsbauagenturen Fannie Mae und Freddie Mac, Hypothekenanleihen im Wert von 200 Milliarden US-Dollar zu kaufen
Die daraus resultierende Volatilität stellte eine Risikoquelle dar – denken Sie nur an die Kursverluste der Aktien von Banken und Versicherern aufgrund der Kreditkarten- und Medicare-Vorschläge sowie an die Volatilität des US-Dollar.
Das hat aber auch neue Chancen eröffnet. Wir halten mit Hypotheken besicherte Wertpapiere (MBS) schon lange für attraktiv, während die US-Politik im Großen und Ganzen darauf ausgerichtet ist, Wohnraum erschwinglicher zu machen (mehr dazu in unseren PIMCO-Perspektiven vom September 2025 mit dem Titel „Eine staatliche Wohnungsbaureform, die direkt vor unseren Augen liegt“). Am Tag der Bekanntgabe der politischen Maßnahmen verengten sich die Spreads von mit Hypotheken besicherten Wertpapieren um etwa 15 Basispunkte.
Wie die Vorschläge zu Wohnraum und Medicare zeigen, ist die Bezahlbarkeit in den USA zu einem breiteren politischen Thema geworden. Investoren wollen nicht in Sektoren festsitzen, in denen möglicherweise Maßnahmen zur Bezahlbarkeit eingeführt werden.
Fallstudie: Japan
Allerdings können Maßnahmen zur Sicherstellung der Bezahlbarkeit auch kontraproduktiv sein, insbesondere dann, wenn sie auf Bedenken hinsichtlich der steigenden Staatsverschuldung stoßen (mehr dazu in unseren PIMCO-Perspektiven vom Dezember 2024 mit dem Titel „Gedanken der die Anleihe‑Vigilanten“). In Japan löste eine geplante Senkung der Verbrauchssteuer vor dem Hintergrund einer lockeren Fiskalpolitik einen Ausverkauf am Anleihenmarkt aus (siehe Abbildung 1).
Man erinnere sich an Großbritannien im Jahr 2022, als eine geplante Steuersenkung einen Einbruch am Anleihenmarkt auslöste. Politische Maßnahmen können Märkte bewegen, aber im Extremfall können sich Märkte auch anpassen und politische Initiativen sogar rückgängig machen.
Die Erfahrungen in den USA und Japan unterstreichen einen umfassenderen Wandel: Die Fähigkeiten, die Investoren schon lange benötigen, um politische Schocks in Schwellenländern zu bewältigen – schnelle Analyse der Kreditwürdigkeit von Staaten, Echtzeitbewertung der fiskalischen Glaubwürdigkeit, Positionierung gegen Währungsschwankungen –, werden nun zunehmend auch in entwickelten Märkten benötigt.
Ein Leitfaden für den Umgang mit Volatilität
Die Märkte mögen heute zeitweise ruhig erscheinen, doch unter der Oberfläche bauen sich Verwerfungen und Schwachstellen auf. Traditionelle Volatilitätsmaße wie der VIX und der MOVE-Index können selbst bei steigenden Risiken Selbstzufriedenheit sowohl an den Aktien- als auch an den Anleihenmärkten signalisieren.
Anleger konnten sich jahrelang über einen Aufwärtstrend an den Aktienmärkten freuen, der maßgeblich durch Technologie-Innovationen befeuert wurde. Doch da die KI weiterhin Branchen und die Wirtschaft im Allgemeinen grundlegend verändert, zeigt die in den vergangenen Tagen beobachtete Volatilität der Aktienmärkte – insbesondere in technologienahen Sektoren –, wie unsicher die Aussichten nach wie vor sind.
2026 ist nicht das Jahr, die Hände in den Schoß zu legen und darauf zu hoffen, dass die Volatilität verschwindet. Stattdessen erfordert das Jahr eine agile Denkweise, die die Unsicherheit zu managen versteht:
- Bei den Bewertungen ist Vorsicht und Disziplin geboten. Die Bewertungen von US-Aktien scheinen weiterhin überzogen zu sein, was wenig Puffer bietet und eine größere Anfälligkeit für plötzliche Kursschwankungen zur Folge hat.
- Achten Sie auf Anzeichen von Selbstzufriedenheit am Markt.
- Setzen Sie verstärkt auf Relative-Value-Strategien statt auf Richtungswetten.
- Bleiben Sie flexibel nicht nur über Sektoren, sondern auch über Regionen hinweg, verbunden mit der Fähigkeit, Kapital entschlossen zu bewegen und Werthaltigkeit zu finden – insbesondere dann, wenn in vielen Ländern attraktive Renditen möglich sind.
- Seien Sie flexibel genug, um schnell zu reagieren, wenn Volatilität zu Verwerfungen führt – sei es bei japanischen Staatsanleihen, bei mit Hypotheken besicherten quasistaatlichen US-Wertpapieren oder bei Schwellenländeranleihen –, und nutzen Sie unsere globale Reichweite und lokale Präsenz, um Chancen zu erkennen.
In einer Welt voller Überraschungen liegt das größte Risiko möglicherweise in einer zu statischen Positionierung. Portfolios, die auf Anpassungsfähigkeit ausgelegt sind – global, liquide, aktiv gemanagt in Industrie- und Schwellenländern –, können Chancen nutzen, die passive, auf den heimischen Markt fokussierte Strategien verpassen können.