Zusammenfassung
- Globale Divergenz und hohe Bewertungen schaffen ein vielversprechendes Umfeld für aktive Anleiheninvestments.
- Wir nutzen aktiv Chancen auf dem gesamten Globus, einschließlich hochwertiger Verbriefungen, selektiver Schwellenländer-Engagements und Zins- und Währungspositionen von relativem Wert, zur Renditesteigerung und Portfolio-Difersifizierung.
- Unser Fokus ist unverändert auf Resilienz und Flexibilität gerichtet, und wir setzen auf Vermögenswerte hoher Qualität, diversifizierte globale Engagements und die Fähigkeit, Veränderungen der Renditekurven und Kreditbedingungen durch aktives Management für uns zu nutzen.
Festverzinsliche Anlagen hatten 2025 ein starkes Jahr, und auch zu Beginn dieses Jahres bleiben die Rahmenbedingungen sehr positiv. Die attraktiven Anfangsrenditen, die auseinanderlaufenden konjunkturellen Entwicklungen in aller Welt und die sich verändernden Märkte haben nach Ansicht von PIMCO eines der aussichtsreichsten Umfelder für aktive Anleiheninvestments in mehr als einem Jahrzehnt geschaffen. In diesem Beitrag geht Dan Ivascyn, der die Income-Strategie von PIMCO gemeinsam mit Alfred Murata und Josh Anderson managt, auf Fragen von Anleihenstratege Esteban Burbano ein. Sie besprechen die makroökonomische Landschaft und erläutern, wie das Investmentteam die Income-Strategie im aktuellen Umfeld positioniert.
Frage: PIMCOs jüngster Konjunkturausblick mit dem Titel „Renditechancen durch Resilienz“ beschreibt eine Welt, die von Divergenz geprägt ist. Wie könnte sich dieses zunehmend uneinheitliche Bild auf das Investitionsumfeld auswirken?
Antwort: Wir leben in einer Welt, in der die globalen Wachstumspfade und politischen Tendenzen weniger miteinander korrelieren, woraus sich spannende Rahmenbedingungen für ein aktives Investmentmanagement ergeben. Zur gleichen Zeit bleiben die Aktienbewertungen hoch, und bei den Barzinsen geht es auf vielen Märkten abwärts, während Festzinsanlagen mittlerer und längerer Laufzeit weiterhin attraktives Wertpotenzial bieten.
In den USA erwarten wir ein starkes absolutes und relatives Wachstum, gestützt durch robuste Fundamentaldaten für Haushalte mit mittlerem und hohem Einkommen, langfristig niedrige Hypothekenzinsen und allgemeinen Rückenwind durch Investitionen in alternative Intelligenz, Technologie und Energieinfrastruktur. Auch sind noch immer die Auswirkungen der expansiven Fiskalpolitik des Vorjahres spürbar. Und während die Inflation wohl über der Zielmarke der Notenbanker verharren und schwankungsanfällig bleiben dürfte, rechnen wir im Jahresverlauf mit einer rückläufigen Tendenz.
Was die übrigen Volkswirtschaften betrifft, erscheinen viele von ihnen anfälliger, da ihnen einige der Faktoren, die der US-Konjunktur als Stütze dienen, fehlen. Die divergierenden globalen Wachstumspfade und die sich verändernden politischen Trends lassen bedeutende Chancen entstehen, da die Märkte immer weniger miteinander korrelieren.
Frage: Sie sprachen von starkem Wachstum und rückläufiger Inflation. Welche Risiken oder Verwerfungen könnten unsere Progrose beeinträchtigen?
Antwort: Es gibt einige wichtige Risiken zu beachten. Im laufenden Jahr gabe es bereits massive geopolitische Spannungen – die Entwicklungen in Venezuela und Grönland haben die Märkte auf dem falschen Fuß erwischt und sorgen weiterhin für erhöhte Verunsicherung. Der allgemeinere außenpolitische Ansatz der US-Regierung ist in den Fokus gerückt. Außerdem herrscht grundlegende Unsicherheit rund um die Inflation, die in den USA und anderen Ländern wie Japan, Australien und Großbritannien noch immer über den Zentralbankzielen rangiert.
All das bedeutet, dass sich die globalen Volkswirtschaften vermutlich weiter auseinanderbewegen, verbunden mit anhaltenden inflationsbedingten Risiken. Zugleich eröffnet diese Dynamik aktiven Managern Gelegenheiten für eine globale Diversifikation – sei es durch umsichtig skalierte Positionen in lokalen Zinssätzen oder durch ausgewählte Währungsengagements. Wenn sie richtig gemanagt werden, können diese Positionen nicht nur das Ertragsprofil verbessern, sondern auch für ein interessanteres Gesamtrenditepotenzial sorgen.
Frage: Wie sieht unser Ausblick für die US-Notenbank Fed und andere Zentralbanken aus?
Antwort: In den meisten Industrieländern ziehen die Zentralbanker Zinssenkungen in Erwägung, da sich die Inflationszahlen zunehmend der Zielmarke nähern. Hier rechnen wir auf breiter Basis mit einer expansiven Geldpolitik – wobei Japan eine entscheidende Ausnahme darstellen dürfte, da die dortige Marktdynamik die Zinsen womöglich in die Höhe treibt. In den USA sollten die Wachstumszahlen solide bleiben, und wir glauben, dass die Federal Reserve den Leitzins – vermutlich im späteren Verlauf des Jahres – auf rund drei Prozent senken wird. Allerdings hängt der Zinspfad weiterhin stark von den eingehenden Daten ab. Aus diesem Grund ist unsere Positionierung ausgewogener, und wir bleiben flexibel, um Schwankungen an einzelnen Märkten zu unseren Gunsten nutzen zu können.
Frage: Wie sieht unser Ausblick für den US-Dollar in Zeiten expansiver Geldpolitik, haushaltspolitischen Drucks und sich verlagernder globaler Investitionsströme aus?
Antwort: Der Dollar erscheint fair bewertet bis leicht überbewertet, weswegen wir an einer moderaten Untergewichtung festhalten. Vielversprechender sind da Relative-Value-Chancen aufgrund der immer weniger synchronisierten globalen Zyklen: Lokale Währungen und nicht aus den USA stammende Zinspapiere bieten weiterhin attraktive Gelegenheiten für eine Diversifikation und potenzielle Mehrrenditen.
Frage: Wie würden Sie die Positionierung der Income-Strategie für 2026 zusammenfassen?
Antwort: Die Income-Strategie ist auf Resilienz und Flexibilität ausgerichtet, insbesondere da gewisse Marktbereiche – vor allem Unternehmensanleihen und Aktien – noch immer angemessen bepreist sind. Unsere besondere Aufmerksamkeit gilt der Diversifikation, und wir konzentrieren uns darauf, umfangreiche Liquidität zu halten, um schnell reagieren zu können, wenn sich die Märkte zu stark bewegen. Konkret bedeutet das eine vorsichtige Haltung in Bereichen, in denen die Spreads Anleger nicht angemessen für die Konjunktursensibilität entschädigen, eine klare Tendenz zu qualitativ höherwertigen Anlagen und einen Einsatz unseres globalen Instrumentariums, um attraktive Renditen zu erschließen.
Mit Blick auf die Zinssätze halten wir an einer etwas kürzeren Duration im Vergleich zur breit gefassten Anleihen-Benchmark fest – konzentriert auf den mittleren Laufzeitbereich (fünf bis zehn Jahre), der in unseren Augen ein besseres Gleichgewicht zwischen attraktiven Renditen und Flexibilität bietet. Gegenüber dem sehr langen Ende der Kurve sind wir optimistisch. Was ihre Herkunft der Anleihen angeht, haben wir unser Engagement in Großbritannien, Australien und ausgewählten Schwellenländern, darunter Kolumbien, Südafrika, Brasilien und Mexiko, ausgeweitet. Diese Allokationen sind zwar tendenziell konservativ, zielen aber darauf ab, sowohl die Rendite zu steigern als auch die Diversifikation zu verbessern.
Die Versteilerung der Zinskurve war eines der Anlagethemen, von denen wir 2025 am stärksten überzeugt waren, und mit den sich verändernden Bewertungen werden längere Laufzeiten immer attraktiver. Wenn sich das Chancenspektrum noch weiter verlagert, könnten sie im späteren Verlauf von 2026 eine größere Rolle spielen.
Frage: Wie stehen wir derzeit zu Kreditprodukten, sowohl zu strukturierten Krediten als auch zu den breiter gefassten Märkten für Unternehmensanleihen?
Antwort: Bei strukturierten Krediten setzen wir weiterhin auf qualitativ höherwertige Segmente – Bereiche, die durch robuste Vergabestandards und eine gute finanzielle Verfassung der privaten Haushalte gestützt werden. Darunter fallen verbraucherbezogene Engagements wie etwa Wohnbaukredite, Asset-Backed Securities (ABS), die mit Forderungen aus Auto- oder privaten Studienkrediten hinterlegt sind, und Darlehen an Schuldner mit mittlerem und hohem Einkommen. Darüber hinaus sind wir auf den Verbriefungsmärkten in Großbritannien und Australien aktiv, wo vorrangige Tranchen nach wie vor ein attraktives risikobereinigtes Renditepotenzial bieten. Bei Finanzierungsgeschäften im Zusammenhang mit dem Ausbau der Technologie- und Energieinfrastruktur agieren wir dagegen selektiver. Diese Chancen mögen zwar verlockend sein, unterliegen tendenziell aber stärkeren Schwankungen und verhalten sich eher wie Unternehmenskredite.
Bei öffentlichen wie privaten Unternehmenskrediten sind die Spreads nach wie vor eng. Auch wenn sie seit der globalen Finanzkrise eine beachtliche Wertentwicklung verzeichnet haben, sehen wir erste Anzeichen einer Verschlechterung, unter anderem in Form einiger bemerkenswerter Zahlungsausfälle. In diesem Umfeld bleiben wir zurückhaltend gegenüber herkömmlichen Unternehmensanleihen und setzen vorzugsweise auf höherwertige Staatsanleihen und hypothekenbesicherte Engagements. Diese Positionierung hilft, das Portfolio defensiv zu halten und zugleich reichlich Liquidität zu bewahren – was uns die Flexibilität gibt, technische Trendwenden oder Volatilitätsschübe, die mit attraktiveren Einstiegspunkten einhergehen können, zu nutzen.
Frage: Hat sich unsere Sicht auf hypothekenbesicherte Wertpapiere (MBS) der US-Behörden im Zuge der jüngsten politischen Entwicklungen verändert?
Antwort: Im Großen und Ganzen bleiben wir Agency-MBS wohlgesinnt. Der Sektor war dank starker Liquidität, hoher Kreditqualität und historisch attraktiver Bewertungen seit jeher eine wichtige Position – diese Fundamentaldaten bleiben unverändert.
Was sich indessen verändert hat, sind die technischen Rahmenbedingungen. Die Verschlankung der US-Notenbankbilanz hat den Sektor belastet, das Programm der Trump-Administration zum Ankauf von Agency-Papieren sorgte jedoch für eine Einengung der Spreads und half der Wertentwicklung zuletzt auf die Sprünge. Da die Spreads nun enger sind, hat unsere Überzeugung von dieser Position etwas nachgelassen, und wir werden das Engagement gegebenenfalls anpassen, wenn sich die Bedingungen ändern. Nichtsdestotrotz bieten Agency-MBS noch immer soliden relativen Wert, wenn man die engen Spreads von Unternehmensanleihen bedenkt, und bleiben ein wichtiger defensiver Anker für das Portfolio. Eine aktive Positionierung über verschiedene Kupons, Laufzeiten und Strukturen hinweg sollte künftig Mehrwert schaffen.
Frage: Sie sprachen von Engagements in Schwellenmärkten. Welchen Ansatz verfolgen wir hier in der Income-Strategie?
Antwort: Die Schwellenmärkte haben im vergangenen Jahr kräftige Zuwächse verzeichnet und erscheinen im Vergleich zu stärker überlaufenen Bereichen noch immer attraktiv bewertet. Wir nutzen Schwellenländer-Engagements mit dem Ziel, die Rendite zu steigern und eine stärkere Diversifizierung über qualitativ hochwertige Schwellenländer-Währungen, bestimmte lokale Staatsanleihen und ausgewählte Sondersituationen, die von unserem Schwellenländer-Team identifiziert werden, zu erreichen. Auch wenn es sich um maßvolle Allokationen handelt, tragen sie insgesamt positiv zur Diversifizierung der Strategie bei.
Frage: Möchten Sie noch etwas anmerken?
Antwort: Auf einer übergeordneten Ebene ist die Income-Strategie bestrebt, das gesamte Instrumentarium, das uns als aktiven globalen Anleiheninvestoren zur Verfügung steht, zu nutzen, um ein hochgradig diversifiziertes Portfolio aus ertragsorientierten Vermögenswerten aufzubauen.
Hierzu sei erwähnt, dass die Anfangsrenditen in der Regel gute Indikatoren für die langfristige Rendite sind, und die derzeitigen Renditen sorgen für einen vielversprechenden Ausblick über die nächsten drei bis fünf Jahre. Während die Barzinsen zurückgehen sollten und Aktien noch immer teuer bewertet sind, bieten Festzinspapiere aus unserer Sicht noch immer ein robustes Wertversprechen, unterstützt durch globale Diversifikation und Flexibilität.