Schlussfolgerungen zum Konjunkturausblick
- Das Wachstum bleibt überraschend robust – Nachdem das globale Wachstum im Jahr 2025 dem Druck der Zölle standgehalten hat, sieht der kurzfristige Konjunkturausblick positiver aus, unterstützt durch KI-bezogene Investitionen und Effizienzgewinne. Niedrigere chinesische Exportpreise haben dazu beigetragen, die Verlagerung der Handelsströme weg von den USA abzufedern.
- Gewinner und Verlierer treiben die „K-förmigen“ Konjunkturtrends voran – In den USA sind kapitalintensive Unternehmen, die KI einsetzen, besser positioniert, ebenso wie wohlhabendere Haushalte, die von Aktienmarktgewinnen dank des Tech-Booms profitieren. Andere laufen zunehmend Gefahr, abgehängt zu werden. Auf globaler Ebene führen handelspolitische Spannungen und die politischen Antworten darauf zu einer Vergrößerung der Kluft zwischen den Staaten.
- Die globale Geld- und Fiskalpolitik bewegt sich in unterschiedliche Richtungen – Großbritannien und mehrere Schwellenländer mit hohen Realzinsen und begrenztem fiskalischem Spielraum werden die Geldpolitik voraussichtlich stärker lockern als die Europäische Zentralbank oder die kanadische Notenbank, deren Politik bereits neutral ist. In China dürfte die Fiskalpolitik angesichts des handelspolitischen Drucks an Einfluss gewinnen, und auch in den USA werden Steuersenkungen voraussichtlich Haushalte und Unternehmen entlasten.
Schlussfolgerungen für Investments
- Anleihen bieten überzeugende und nachhaltige Chancen – Aktive Strategien im Bereich festverzinslicher Wertpapiere erzielten 2025 ihre besten Ergebnisse seit Jahren, und die Aussichten für 2026 sind ebenso überzeugend. Die Preisanpassungen auf dem Anleihenmarkt nach der Pandemie läuteten eine anhaltende Phase attraktiver Anfangsrenditen ein. Unterschiedliche wirtschaftspolitische und konjunkturelle Bedingungen bieten aktiven Managern zahlreiche Möglichkeiten, Alpha zu generieren, also eine Outperformance gegenüber dem breiteren Markt zu erzielen. Anleger haben jetzt die seltene Chance, Qualität und Liquidität zu optimieren, ohne auf aktienähnliche Renditechancen verzichten zu müssen – und das in einer Zeit, in der Aktienbewertungen neue Extreme erreicht haben.
- Eine globale Diversifikation hilft bei der Abfederung von Risiken – Die unterschiedlichen wirtschaftlichen und politischen Bedingungen in den Ländern bieten Chancen sowohl in Industrie- als auch in Schwellenländer-Märkten. Bemerkenswert dabei: Mehrere große Schwellenländer bieten signifikante Realrendite-Prämien gegenüber Anleihen aus Industrieländern – eine Kompensation für Risiken, die zunehmend idiosynkratisch und deshalb diversifizierbar sowie weniger systembedingt sind. Anleihen in Lokalwährungen von Schwellenländern erzielten im Jahr 2025 robuste Erträge und boten gleichzeitig eine wichtige Portfolio-Diversifizierung in einer Zeit, in der die Korrelationen in Industrieländern weiterhin hoch sind.
- In einem Kreditumfeld der Spätphase eines Konjunkturzyklus sollte man Investments sorgfältig auswählen – Wir bevorzugen qualitativ hochwertige Bereiche wie verbriefte Kredite und vermögensbasierte Finanzierungen, die von robusten Kreditvergabestandards und der Resilienz einkommensstarker Konsumentengruppen profitieren. Wir legen Wert auf die Titelauswahl und reduzieren das Risiko bei allgemeinen Krediten sowie im Bereich privater Unternehmenskredite.
Konjunkturausblick: Dimensionen der Divergenz
Die weitreichenden Reformen der Steuer-, Handels- und Einwanderungspolitik der Trump-Administration – einschließlich der Vervierfachung des effektiven US-Zollsatzes – wurden allgemein als potenzieller Bremsfaktor für das globale Wachstum, den Handel und für Investitionen angesehen. Als Reaktion darauf kündigten verschiedene Regierungen der Industrie- und Schwellenländer präventive, aber zielgerichtete fiskalische Maßnahmen zur Abfederung der Auswirkungen dieser Reformen an, während sich die Zentralbanken auf die Abwärtsrisiken konzentrierten.
Es stellte sich heraus, dass sich die Konjunktur als überraschend widerstandsfähig erwies, zumal diese politischen Trends mit einer neuen universell einsetzbaren Technologie zusammentrafen: KI. Das Ergebnis war eine anhaltendes Wirtschaftswachstum mit allerdings bemerkenswerten Divergenzen unter der Oberfläche. „K-förmige“ Konjunkturtrends sind sowohl in Haushalten, Unternehmen und einzelnen (Welt-)Regionen erkennbar. Tatsächlich treiben diejenigen Player das Wachstum an, die besser positioniert sind, um vom Wettlauf um die künstliche Intelligenz und den damit verbundenen Vermögenseffekten zu profitieren.
Mehrere wichtige Makrotrends haben sich herausgebildet:
- In den USA hat der verstärkte Wettbewerb die Preissetzungsmacht der Unternehmen unterminiert und durch Zölle bedingte Preiserhöhungen abgefedert. Große Unternehmen konzentrieren sich darauf, Marktanteile durch Preiswettbewerb und die Übernahme von Zollkosten zu gewinnen, was einen Produktivitätsschub auslöst, der wiederum die Gewinnmargen absichert. Kleine und mittlere arbeitsintensive Unternehmen, die von Veränderungen im Handelssektor oder der Einwanderungspolitik betroffen sind, gehören – relativ gesehen – zu den Verlierern.
- Um ihre Gewinnmargen zu schützen, beschleunigten die Unternehmen die Einführung von KI zur Senkung der Arbeitskosten. In den USA erhöhten sich die Investitionen in KI-bezogene Software und Forschung & Entwicklung, während sich die Investitionen in Rechenzentren, einschließlich Strukturen, Server, Chips und andere Komponenten, verdoppelten.
- Politische und technologische Veränderungen trugen ebenso zu einer Spaltung der US-amerikanischen Haushalte bei. Der Vermögenseffekt der KI-bedingten Aktienmarktgewinne hat dazu beigetragen, den Konsum zu stützen. Diese Vorteile sind jedoch bei Haushalten mit niedrigem und mittlerem Einkommen nicht angekommen (siehe Abbildung 1). Da die größere Unsicherheit Neueinstellungen gehemmt hat und in handels- und KI-abhängigen Sektoren Arbeitsplätze abgebaut wurden, ist das Wachstum der realen Arbeitseinkommen ins Stocken geraten. Der Ausbau von KI-Systemen scheint auch andere Investitionen, unter anderem in den Wohnungsbau, zu verdrängen – und damit bezahlbaren Wohnraum noch rarer zu machen.
- KI-Trends haben die globale Industrieproduktion und den Handel trotz der Belastungen durch Zölle gestützt, wenngleich die Gewinne uneinheitlich ausfallen.Das Wachstum konzentriert sich auf Computer und Komponenten, die mit der KI-Infrastruktur in Verbindung gebracht werden. Asiatische Volkswirtschaften, darunter Taiwan, Japan, Südkorea und China, präsentieren sich ähnlich widerstandsfähig wie die USA, da sie die Produktion von Chips, Servern und zugehöriger Hardware dominieren. Die Produktion in anderen Regionen hat sich hingegen verlangsamt, da die im Vorfeld der Zollerhöhungen aufgebauten Lagerbestände abgebaut werden.
- China steht unter Druck, andere Absatzmärkte für seine Waren zu finden und gleichzeitig den Ausbau der KI-Infrastruktur zu beschleunigen sowie die Produktivität im verarbeitenden Gewerbe weiter zu steigern. Die US-Zölle haben den Handel zwischen den beiden Nationen zurückgehen lassen. Niedrigere Exportpreise haben eine reibungslosere Rotation der Handelsströme hin zu Schwellenländern ermöglicht, als dies erwartet worden war. Dennoch haben der schleppende Konsum und die sinkenden Investitionen dazu geführt, dass China zur Aufrechterhaltung des Wachstums übermäßig auf Exporte und den Aufbau von Lagerbeständen angewiesen ist.
Technologie und Finanzpolitik stärken die Nachfrage
Wir gehen davon aus, dass sich die Konjunktur auch 2026 als widerstandsfähig erweisen wird. Es gibt gute Gründe, mit einer gewissen Expansion des Wachstums zu rechnen. Allerdings dürfte der Trend hin zur Aufteilung in Gewinner und Verlierer anhalten.
Erstens ist zu erwarten, dass die Fiskalpolitik in verschiedenen Ländern auseinanderdriften wird. Eine Lockerung der Fiskalpolitik in mehreren Regionen der Welt dürfte die negativen Auswirkungen auf den Handel weiter ausgleichen. China, Japan, Deutschland, Kanada und die USA sind allesamt bereit, ihre Fiskalpolitik zu lockern – China durch die Unterstützung der Zentralregierung und die USA durch große, vorgezogene Steuersenkungen für Unternehmen und Haushalte. Doch vielen Ländern fehlt der fiskalische Spielraum, was in Großbritannien, Frankreich und Teilen der Schwellenländer eine restriktive Finanzpolitik zur Folge hat.
Zweitens dürfte der KI-Investitionszyklus das globale Wachstum weiterhin stützen, da sich die Nutzung von KI ausbreitet. Allerdings wird es dabei viele Gewinner und Verlierer geben. In den USA könnten höhere Ausgaben der Unternehmen für die Implementierung von KI, Software sowie Forschung & Entwicklung den Rückgang der Investitionen in Rechenzentren von den hohen Niveaus im Jahr 2025 ausgleichen. Zusätzlicher Rückenwind könnte von anderen Ländern kommen, die angesichts nationaler Sicherheitsbedenken ihre Investitionen in Infrastruktur verstärken. Im Wettlauf um die KI-Vorherrschaft sind regionale und branchenspezifische Nachzügler gefährdet.
Drittens dürften sich die Unsicherheit im Handel und die damit verbundenen Belastungen durch Zölle im Jahr 2026 ebenfalls verringern, allerdings nicht ohne weitere politische Kurswechsel, da die Rechtmäßigkeit der US-Zölle auf den Prüfstand gestellt wird. Der Oberste Gerichtshof der USA scheint bereit zu sein, einige oder alle Zölle, die im Rahmen des International Emergency Economic Powers Act eingeführt wurden, für ungültig zu erklären. Da die Trump-Administration ihre Zollpolitik auf einen stabileren und rechtlich sichereren Rahmen umstellt, müssen sich verschiedene Regionen und Branchen anpassen, während die geringere Unsicherheit Investitionen und Neueinstellungen sowohl in den USA als auch weltweit wieder beschleunigen sollte.
Die Geldpolitik dürfte verschiedene Richtungen einschlagen
Die meisten Zentralbanken haben in den vergangenen Jahren Zinssenkungszyklen eingeleitet, allerdings je nach Inflationsentwicklung in unterschiedlichem Tempo. Angesichts der derzeit weitgehend moderaten globalen Inflation gehen wir davon aus, dass die meisten Zentralbanken bis Ende 2026 ein neutrales geldpolitisches Niveau erreichen werden. Die Aussichten für weitere Zinssenkungen sind deshalb nun differenzierter.
Zentralbanken mit weiterhin hohen Realzinsen und einer restriktiven Fiskalpolitik sind bereit, die Leitzinsen aggressiver zu senken, insbesondere in Ländern, die stärker von Abwärtsinflationsrisiken durch chinesische Exporte betroffen sind. Dies gilt für verschiedene Zentralbanken von Schwellenländern sowie für die britische Notenbank.
In anderen Ländern, wo die Geldpolitik bereits nahezu neutral ist und die Fiskalpolitik voraussichtlich ausgeweitet wird – insbesondere in Kanada und in geringerem Maß in Europa – besteht nur ein begrenzter Bedarf an zusätzlichen Zinssenkungen. Japans Notenbank hingegen, die weiterhin eine lockere Geldpolitik verfolgt und deren Fiskalpolitik ausgeweitet werden soll, dürfte die Leitzinsen weiter anheben (siehe Abbildung 2). In China hingegen wird mit einer deutlichen Lockerung sowohl der Geld- als auch der Fiskalpolitik gerechnet, da die politischen Entscheidungsträger die Schuldendeflation und die Überkapazitäten in den Griff bekommen wollen.
Schließlich preisen die Märkte bereits die Erwartung ein, dass die US-Notenbank ihren Leitzins weiter auf drei Prozent senken wird. Wir erwarten außerdem weitere Zinssenkungen der Fed im Jahr 2026, voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte.
Angesichts der Ernennung eines neuen Präsidenten der US-Notenbank und der Bestrebungen des Weißen Hauses, die Zinsen zu senken, bleibt die Höhe des Schlusszinssatzes weiterhin ungewiss. Obwohl es verschiedene Szenarien für die Wahl des Fed-Chefs gibt, hat der Markt stets eine Fortsetzung des bisherigen (orthodoxen) Kurses eingepreist. Der Grund hierfür sind die eher konventionellen Kandidaten und die dem geldpolitischen Entscheidungsprozess der Fed innewohnenden Kontrollmechanismen.
Die Risiken für die US-Inflation kommen aus zwei Richtungen. KI-gestützte Produktivitätssteigerungen und stagnierende Preise auf dem Wohnungsmarkt könnten dazu beitragen, die Preisentwicklung im Zaum zu halten. Zölle, eine die Nachfrage stimulierende Fiskalpolitik und der Ausbau der technologischen Infrastruktur könnten die Preise hingegen in die Höhe treiben.
Resilienz bei gleichzeitiger Verwundbarkeit
Wir gehen zwar davon aus, dass sich die Konjunktur weiter als widerstandsfähig erweisen wird. Doch bergen gegenläufige Kräfte und die große Kluft zwischen Besitzenden und Besitzlosen Risiken:
- Risikobewertung von Assets: Traditionelle Bewertungskennzahlen deuten darauf hin, dass US-Aktien sowohl im historischen als auch im Vergleich zu anderen Märkten teuer sind. Wie stark wird sich die Einführung von KI-Tools beschleunigen? Wie viel Wert kann durch KI geschaffen werden? Wann passiert das? Welche Unternehmen können diesen Value realisieren? Das sind weiterhin die Schlüsselfragen. Unterdessen bleiben die Anleihen-Spreads weiterhin eng.
- Nachhaltigkeit des K-förmigen Konjunkturzyklus: Ein von Wohlstand getriebener Konsum hängt von weiteren (Buch-)Gewinnen am Aktienmarkt und Wertsteigerungen am Immobilienmarkt ab, doch hohe Bewertungen und der Druck mit Blick auf die Tragfähigkeit der Schulden werfen die Frage auf, ob dies tatsächlich gelingen wird. Einige Bereiche des Markts für Privatkredite scheinen besonders anfällig für politische und KI-bedingte Transformationen zu sein.
- Staatsdefizit und Schuldendynamik: Wir haben unsere langfristige Prognose hinsichtlich der herausfordernden Schulden- und Defizitdynamik in vielen Industrieländern, einschließlich der USA, Großbritanniens, Frankreichs und Japans, nicht geändert (mehr dazu in unserem Langzeitausblick vom Juni 2025 mit dem Titel „Die Zeit der Fragmentierung“). Während die Verschuldung derzeit tragbar erscheint – der durchschnittliche Zinssatz für Staatsschulden liegt immer noch unter dem Trendwachstum –, könnten KI und die Handelspolitik Investitionstrends auslösen, die zu höheren Zinssätzen führen und den Druck auf die Staatsverschuldung erhöhen.
- Chinas Herausforderungen: Ein mehrjähriger Einbruch im Wohnungssektor und ein bereits hoher globaler Anteil am verarbeitenden Gewerbe verstärken die Zweifel daran, wie lange China sein produktions- und exportorientiertes Wachstumsmodell noch aufrechterhalten kann. Ohne eine wesentlich direktere Stützung der Binnennachfrage durch die Zentralregierung wird es China schwerer fallen, seine Wachstumsziele zu erreichen, was inflationshemmende Auswirkungen auf den Rest der Welt haben würde.
Implikationen für Investments: Nutzen Sie die Chancen im Bereich festverzinslicher Wertpapiere
Nach Jahren mit hohen Renditen bei risikoreichen Anlagen sind die Aktienbewertungen weiter hoch und die Anleihen-Spreads eng. Während unser Basisszenario von einem weiterhin soliden Wirtschaftswachstum und möglicherweise sogar einer abermaligen Beschleunigung des Wachstums in einigen Regionen ausgeht, ist ein solcher Optimismus in den meisten Märkten für Risikoanlagen bereits eingepreist. Die Geschichte legt nahe, dass diese Ausgangsbewertungen Einfluss auf die zukünftigen Renditen haben werden, die möglicherweise niedriger ausfallen als von Anlegern erwartet.
Im Gegensatz dazu sind Anleihen bei den aktuellen Bewertungen im Vergleich zu Aktien günstig. Nach der deutlichen Preisanpassung infolge der Pandemie bleiben die Anfangsrenditen qualitativ hochwertiger Anleihen attraktiv, was das nachhaltige Ertragspotenzial im Bereich festverzinslicher Wertpapiere unterstreicht. Anleger haben heute die seltene Gelegenheit, Qualität, Liquidität und ihre Portfolio-Diversifizierung zu optimieren, ohne dabei auf aktienähnliche Ertragschancen verzichten zu müssen.
Selbst nach den allgemein starken Erträgen am Anleihenmarkt im Jahr 2025 liegt die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen US-Staatsanleihe – am 7. Januar 2026 etwa 4,15 Prozent – weiterhin im mittleren Bereich einer Bandbreite zwischen 3,5 und 5,0 Prozent, in dem sie sich inzwischen seit mehr als drei Jahren befindet. Die Renditen anderer Industrieländer-Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit zeigen ein ähnliches Bild (siehe Abbildung 3). Das verdeutlicht, dass robuste Anleihenerträge nicht von einem Anstieg der Zinssätze auf breiter Basis abhängen.
Attraktive Anfangsrenditen bilden vielmehr eine Grundlage, von der aus aktive Manager Portfolios aufbauen können, die aufgrund der Nutzung von Alpha-Chancen potenziell Renditen von etwa fünf bis sieben Prozent erzielen. (Mehr dazu erfahren Sie in unserem kürzlich erschienenen Artikel „Die Quantifizierung der Vorteile aktiven Investment-Managements bei festverzinslichen Wertpapieren“.) Aktive Strategien bei festverzinslichen Wertpapieren erzielten im Jahr 2025 ihre besten Ergebnisse seit Jahren – und die Aussichten für die Zukunft sind ebenso überzeugend angesichts einer der spannendsten Umgebungen für die Alpha-Generierung der jüngeren Geschichte.
Unser Drehbuch für 2026 bleibt in vielerlei Hinsicht ähnlich wie der Plan für 2025. Angesichts der allgemein positiven globalen Wachstumsaussichten und der in vielen Ländern verfügbaren attraktiven Renditen bevorzugen wir ein diversifiziertes Portfolio mit Engagements in verschiedenen Regionen mit unterschiedlichen konjunkturellen und politischen Entwicklungen, einschließlich der Märkte in Industrieländern und in ausgewählten lokalen Schwellenländer-Märkten. Insgesamt bleibt unser Ansatz flexibel. Wir gehen davon aus, dass wir unsere Engagements je nach Bewertungen und Marktverwerfungen ausbauen und anpassen werden.
Zinssätze, Duration und globale Chancen
Aus unserer Sicht lassen sich Anleger, die noch immer überschüssige Liquidität halten, eine potenzielle Chance entgehen. Durch die Hinwendung zu festverzinslichen Wertpapieren, die eine bessere Wertentwicklung als Cash gezeigt haben, können sich Anleger attraktivere Renditen über einen längeren Zeitraum sichern und gleichzeitig von potenziellen Kurssteigerungen bei einem moderaten Anstieg des Risikos profitieren.
Wir halten an einer moderaten Übergewichtung der Duration – einem Indikator für das Zinsrisiko – fest, wobei der Fokus auf globaler Diversifizierung liegt. (Weitere Möglichkeiten zur Optimierung der Diversifizierung und Resilienz im Portfolio finden Sie in unserem kürzlich erschienenen Artikel „Ausblick auf das kommende Jahr: Investmentimpulse für 2026“.) Obwohl wir weiterhin Anleihen mit einer Restlaufzeit von zwei bis fünf Jahren bevorzugen, ist unsere Positionierung entlang der Zinskurve ausgewogener geworden, da die längerfristigen Renditen attraktiver geworden sind.
Die Duration von US-Staatsanleihen erscheint weiterhin attraktiv und kann dazu beitragen, Portfolios gegen eine mögliche Verlangsamung der Dynamik auf dem US-Arbeitsmarkt oder KI-bedingte Aktienmarktvolatilität abzusichern. Die Duration in Europa erscheint im Vergleich dazu weniger attraktiv.
Obwohl australische Anleihen eine schwächere Performance aufweisen, bleiben sie innerhalb eines breiter diversifizierten Portfolios ein nützliches Diversifizierungsinstrument, insbesondere jetzt, da die Märkte mögliche Zinserhöhungen im Jahr 2026 einpreisen – ein geldpolitischer Schritt, den wir für unwahrscheinlich halten.
Trotz einer Inflation über den Zielvorgaben der Zentralbank und dem kurzfristigen Risiko einer erneuten Beschleunigung (der Teuerung) bleiben die längerfristigen Break-even-Punkte niedrig. Wir bevorzugen weiterhin Engagements in inflationsgeschützte US-Staatsanleihen (TIPS), Rohstoffe und Sachwerte.
Wir sehen ausgewählte Chancen in Ländern mit höheren realen Leitzinsen, strafferen fiskalpolitischen Rahmenbedingungen und ausgewogeneren Inflationsrisiken. Dazu zählen Großbritannien und einige Schwellenländer.
Schwellenländer: Asymmetrische Chancen in einer fragmentierten Welt
Die Investmentlandschaft in Schwellenländern hat sich dank einer geringeren aggregierten Staatsverschuldung im Verhältnis zum BIP als in den Industrieländern, verbesserten geldpolitischen Rahmenbedingungen und Leistungsbilanzen sowie einer größeren Tiefe der lokalen Kapitalmärkte strukturell gewandelt. Paradoxerweise weisen mehrere etablierte Volkswirtschaften nun fiskalische Dynamiken auf, die einst als typische Risiken in Schwellenländern galten.
Für aktive Investmentmanager bietet so eine Streuung auch Chancen. Im Gegensatz zu den 2010er-Jahren, als die Schwellenländer als Block agierten, belohnt das heutige Umfeld eine detaillierte Länderauswahl nach Zinssätzen, Währungen und Krediten – wodurch Alpha durch Strukturanalysen und nicht durch Beta-Timing generiert wird. Über die Schwellenländer hinweg finden wir attraktive Anfangsrenditen und eine Vielzahl von individuellen, diversifizierbaren Risiken.
Es wird erwartet, dass die Zentralbanken der Schwellenländer angesichts der niedrigen Inflation und der robusten Wechselkurse die Leitzinsen weiter senken werden. Wir bevorzugen eine Übergewichtung von Anleihen mit längerer Laufzeit aus Südafrika und Peru, wo die Zinskurven steiler sind, als es die inländischen Fundamentaldaten rechtfertigen, sowie in Brasilien, wo wir Spielraum für einen umfangreichen und lang anhaltenden Zinssenkungszyklus sehen.
Wir sehen weiterhin Potenzial für eine Abschwächung des US-Dollars, was den anhaltenden Zinslockerungszyklus der Fed, langfristige fiskalische Bedenken und Anfangsbewertungen widerspiegelt, die eine Übergewichtung von Schwellenländer-Währungen gegenüber ihren Pendants in Industrieländern begünstigen. Die Währungen der Schwellenländer bieten eine liquide Möglichkeit, auch außerhalb unserer speziellen Schwellenländer-Strategien Zugang zu dieser Anlageklasse zu erhalten, und wir können potenziell attraktive Erträge mit einem sorgfältig gemanagten und gut diversifizierten Portfolio von Schwellenländer-Engagements erzielen.
Kreditmarkt: Konstruktiv, aber selektiv
Unsere Haltung gegenüber dem Kreditmarkt bleibt konstruktiv, ist aber selektiver geworden. Bei PIMCO haben wir in den mehr als fünf Jahrzehnten seit der Gründung des Unternehmens viele Kreditzyklen miterlebt. Wir sehen typische Anzeichen einer späteren Phase des Konjunkturzyklus, da die starken Erträge der jüngsten Zeit zu Selbstzufriedenheit geführt haben.
Wir erwarten eine weitere Verschlechterung der Fundamentaldaten von Krediten, insbesondere im Bereich der variabel verzinsten Unternehmensanleihen, angesichts der in den vergangenen Jahren laxeren Zeichnungsstandards. Branchenspezifische Engagements und Titelselektion werden eine wichtige Rolle spielen, da wir in Bereichen wie Gesundheitswesen, Einzelhandel und Technologie einen fundamentalen Druck beobachten.
Wir haben eine Zunahme von Änderungsaktivitäten festgestellt, wie beispielsweise Bestimmungen zur Zahlung in Sachleistungen (PIK), die es Kreditnehmern ermöglichen, Schulden mit weiteren Schulden zu begleichen. Solche Trends können zugrunde liegende Probleme verschleiern, indem sie die tatsächlich gemeldeten Ausfallraten niedrig halten (siehe Abbildung 4).
Wir haben außerdem eine übermäßige Abhängigkeit von Ratingagentur-Bewertungen als Risikobarometer beobachtet, sowie von Vehikeln, die mehr Liquidität versprechen, als ihre zugrunde liegenden Anlagestrategien möglicherweise liefern können. Diese Entwicklungen sind eine Folge des rasanten Wachstums der Märkte für Privatkredite in den vergangenen Jahren.
In solchen Phasen versuchen wir, das generische Kreditrisiko – oder Beta – zu reduzieren und uns auf unabhängige Bottom-up-Analysen und die Auswahl von Wertpapieren zu konzentrieren.
Wir bevorzugen weiterhin mit Hypotheken besicherte Wertpapiere (MBS) von US-amerikanischen Agenturen. Diese bleiben ein bevorzugter Teilersatz für Unternehmenskredit-Beta, was durch robuste strukturelle Merkmale, solide Liquidität und attraktive Spreads gestützt wird.
Anstatt Kreditmärkte als getrennte öffentliche und private Segmente zu betrachten, bewerten wir Investments weiterhin entlang eines Kontinuums der Konjunktursensitivität und des Liquiditätsrisikos und konzentrieren uns darauf, eine angemessene Kompensation für diese Risiken sicherzustellen. Wir überprüfen, warum Unternehmen eher auf private denn auf öffentliche Kredite zurückgreifen – etwa wegen höherer Flexibilität oder geringerer restriktiver Regulierung – und was das für Investoren bedeutet.
Emittenten mit Investment-Grade-Rating, stabilem Cashflow und soliden Bilanzen bilden weiterhin den Kern unserer Kreditpositionierung. Wir schätzen die hohe Liquidität an den öffentlichen Investment-Grade-Märkten und sind der Ansicht, dass Anleger bei Investments in private Investment-Grade-Anleihen selektiv vorgehen sollten, insbesondere dann, wenn der zusätzliche Spread gegenüber liquideren Anlagen begrenzt ist.
Wir sind weiterhin auf der Suche nach einzigartigen, gut strukturierten Kreditchancen, bei denen die Größe und Reichweite von PIMCO nützlich sind. Wir versuchen, minderwertige Trades mit weniger attraktiven Spreads, schwachen Sicherheiten und schlechterem Gläubigerschutz zu vermeiden. Wir erwarten, dass besicherte Kredite in Bereichen wie Asset-Based Finance, Immobilienkredite und sinnvoll strukturierte Infrastrukturfinanzierungen eine überdurchschnittliche Performance erzielen werden. In Segmenten mit geringerer Qualität im Markt für Unternehmensanleihen ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass die Erwartungen aufgrund enger Spreads, lascher Zeichnungspraxis und allgemeiner Anzeichen von Selbstzufriedenheit enttäuscht werden.
Wir sehen weiterhin Werthaltigkeit in Bereichen, die solide Sicherheiten und klare strukturelle Schutzmechanismen bieten. Wir sehen diese Chancen sowohl in liquiden verbrieften Märkten als auch in weniger liquiden Bereichen der vermögensbasierten Finanzierung, insbesondere in solchen, die mit einkommensstärkeren Verbrauchern verknüpft sind. Immobilienkredite sind zwar derzeit nicht beliebt, profitieren aber von Bewertungen, die deutlich unter ihren Höchstständen liegen.
Im Hochzinssegment sind wir vorsichtig, wenn eine Aushöhlung der Kreditbedingungen oder ein unprofessionelles Verhalten des Schuldners ein größeres Abwärtsrisiko birgt. Bei Direktkrediten, Bankkrediten und in schwächeren Hochzinssegmenten ist besondere Vorsicht geboten, da Fragen zur Qualität der Absicherungsmechanismen der Kreditgeber und zu etwaigen Liquiditätsproblemen bestehen. Die übermäßige Kapitalakkumulation in diesen Märkten hat zu einer programmatischen Kreditvergabe geführt, die eher passiven Anlagestrategien ähnelt.
Schlussfolgerung
In den vergangenen Jahrzehnten haben reichlich vorhandenes Kapital, niedrige Zinsen und eine stabile Weltordnung den Bedarf an Diversifizierung verringert. Im Gegensatz dazu ist das heutige Umfeld durch Streuung, wechselseitiges Risiko und sich unterschiedlich schnell entwickelnde Volkswirtschaften in verschiedenen Weltregionen gekennzeichnet. Dadurch eröffnen sich vielfältige Chancen in den Bereichen globale Zinsen, Schwellenländer, hochwertige Kredite und verbriefte Märkte, was den Vorteil eines aktiven Investmentansatzes unterstreicht.
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