Die US-Notenbank senkte im Dezember den Leitzins um 25 Basispunkte, wie allgemein erwartet wurde. Gleichzeitig signalisierte sie für die Zukunft einen stärker datenabhängigen Kurs. Sofern es nicht zu einem konjunkturellen Schock kommt, ist mit einer weiteren Zinssenkung wahrscheinlich erst in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres zu rechnen.
In den Wochen seit der Fed-Sitzung im Oktober hatten mehrere Vertreter der US-Notenbank ihr Unbehagen über weitere Zinssenkungen zum Ausdruck gebracht. Tatsächlich zeigten zwei Vertreter bei dieser Sitzung ausdrücklich ihr Missfallen, indem sie dafür stimmten, den Zinssatz unverändert zu lassen (ein weiterer Vertreter stimmte für eine Senkung um 50 Basispunkte). Vier Beamte nutzten die neuen Konjunkturprognosen – oder das sogenannte „Punktdiagramm“ –, um zu zeigen, dass sie eine Zinspause im Dezember vorgezogen hätten. Im Einklang mit dieser Einschätzung spiegelten die Anpassungen in der Stellungnahme wider, dass der Ausschuss nach einer Senkung der Leitzinsen um 75 Basispunkte in den vergangenen drei Sitzungen nun entschlossen ist, die Leitzinsen unverändert zu lassen.
Während der Pressekonferenz betonte Fed-Chef Jerome Powell die Abwärtsrisiken auf dem Arbeitsmarkt als Grund für die Zinssenkung. Angesichts der Tatsache, dass ein größer werdender Kreis der Mitglieder des Zinsausschusses mit weiteren Zinssenkungen unzufrieden zu sein scheint und der Leitzins sich innerhalb „plausibler Schätzungen von neutral“ befindet, merkte er an, dass die Fed gut aufgestellt sei und weitere Daten abwarte, um zu reagieren, falls sich Risiken für den Konjunkturausblick am Horizont abzeichnen sollten.
Die Renditen von Staatsanleihen gaben leicht nach, weil Powell es ablehnte, ein deutlicheres Signal zu setzen, dass die Fed keine weiteren Zinssenkungen plant und stattdessen auf neue Konjunkturdaten setzt.
Der Leitzins der US-Notenbank im Jahr 2026
Unser geldpolitischer Ausblick deckt sich weitgehend mit demjenigen der Fed-Offziellen und dem, was der Markt aktuell einpreist: Wir gehen davon aus, dass die Fed die Zinsen im Bereich von 3,50 bis 3,75 Prozent unverändert lassen wird. Das gilt für den Rest von Jerome Powells Amtszeit als Präsident der US-Notenbank, die noch bis Mai dauert. Danach dürften unter einer neuen Fed-Führung die Zinssenkungen schrittweise wieder aufgenommen werden.
Wie Powell formulierte, herrscht in beiden Bereichen des Doppelmandats der Fed eine „anhaltende Spannung“. Das überraschend robuste US-Wachstum in der zweiten Jahreshälfte 2025 sowie Steuersenkungen für Haushalte und Unternehmen, die 2026 zu höheren Nettoeinkommen führen werden, bergen das Risiko, dass sich der Rückgang der Inflation hin zum Zwei-Prozent-Ziel der Fed weiter verzögert. Dennoch ist die Fed nach wie vor gut aufgestellt: Sie kann die Zinsen weiter senken, falls ein stärkeres Wachstum den zunehmend schwachen US-Arbeitsmarkt nicht stabilisieren kann. Und selbst wenn keine Abwärtsrisiken auftauchen sollten, glauben wir, dass die Fed voraussichtlich Ende 2026 wieder schrittweise Zinssenkungen einleiten kann, wenn der Inflationsdruck nachlässt.
Die US-Notenbank steht vor einem schwierigen Balanceakt: Sie muss die Inflation eindämmen und gleichzeitig den Arbeitsmarkt stützen, damit sich die amerikanischen Haushalte wirtschaftlich sicher fühlen. Powell warnte davor, dass es keinen risikofreien Weg gebe. Er nannte folgende Annahmen als vernünftiges Basisszenario: Erstens, die durch die Zölle verursachten Inflationseffekte – im Wesentlichen eine einmalige Verschiebung des Preisniveaus – werden sich wahrscheinlich abschwächen. Zweitens sieht er im laufenden Jahr bemerkenswerte Fortschritte bei der Rückführung der nicht zollbedingten Inflation. Auf dem Arbeitsmarkt wurden im Oktober keine Daten erhoben, und die für November sind unvollständig. Deshalb müssen die künftigen Daten sorgfältig analysiert werden. Konsumausgaben und Produktivität scheinen die Konjunktur zu stützen. Die Fiskalpolitik bleibt eine Stütze für die Konjunktur, die Investitionen der Unternehmen in KI halten an.
Dezember-Erklärung und Prognosen: Der Leitzins ist im neutralen Bereich
Die Erklärung der Fed enthielt nur eine einzige nennenswerte Anpassung. Die Fed bediente sich hierfür einer Formulierung aus der Erklärung vom Dezember 2024, als sie ebenfalls innerhalb drei Sitzungen die Zinsen um 75 Basispunkte gesenkt hatte, und betonte, dass „das Ausmaß und der Zeitpunkt“ weiterer Zinsanpassungen von den Daten abhängen würden. Nach dieser Erklärung vom Dezember 2024 hielt die Fed den Zinssatz für einen Großteil des Jahres 2025 unverändert.
Auch die neuen Konjunkturprognosen der Fed haben sich im Vergleich zu den Prognosen vom September nur geringfügig verändert. Die Wachstumsprognosen für 2026 wurden nach oben korrigiert; der Median der Teilnehmer rechnet nun mit 2,3 Prozent gegenüber 1,8 Prozent zuvor. Dieser bemerkenswerte Aufschlag schlug sich jedoch nicht in großen Veränderungen an anderer Stelle nieder. Der Median der Arbeitslosenprognosen blieb unverändert, und die Inflationsprognosen wurden nur geringfügig nach unten korrigiert. Der Medianwert der Prognosen für den Zinspfad blieb unverändert, was impliziert, dass es im Jahr 2026 nur eine Zinssenkung geben dürfte.
Die Erklärung und die Prognosen vom Dezember sind typisch für eine US-Notenbank, die die Geldpolitik aktuell im Bereich neutraler Schätzungen sieht – das heißt, einen Zinssatz, von dem die Fed erwartet, dass er dazu beiträgt, ein Wachstum zu fördern, das in etwa dem der Vergangenheit entspricht.
Technische Änderungen bei der Bilanz der US-Notenbank
Die Fed kündigte außerdem technische Anpassungen ihrer Bilanz und ihrer Repo-Programme an, um der jüngst beobachteten Volatilität bei den Geldmarktzinsen entgegenzuwirken. Die US-Notenbank wird mit dem Ankauf von Schatzanweisungen beginnen, um mehr Liquidität vorzuhalten und sicherzustellen, dass die Reserveguthaben nicht weiter sinken. Diese Ankündigung erfolgte zu einem früheren Zeitpunkt und fiel umfangreicher aus, als viele Marktteilnehmer erwartet hatten. In der Folge konnten wir beobachten, wie die Geldmarktzinsen aufgrund dieser Nachricht um einige Basispunkte stiegen.
Powell betonte in der Pressekonferenz ausdrücklich, dass es sich hierbei um eine technische Anpassung handle, die nicht mit den auf die Geldpolitik ausgerichteten Programmen zur quantitativen Lockerung verwechselt werden dürfe, die die Fed in den beiden vorangegangenen Rezessionen zur Stabilisierung der Wirtschaft eingeführt habe.