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Konjunktur- und Marktkommentare

Verschiedene Bereiche des Private Credit bieten weiterhin attraktives Potenzial

Auch wenn der Direct‑Lending‑Sektor unter Beobachtung steht, bleibt Private Credit ein breit diversifizierter Markt mit einer Vielzahl investierbarer Chancen.
Private Credit’s Other Lanes Still Offer Value
Verschiedene Bereiche des Private Credit bieten weiterhin attraktives Potenzial
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Die Sorgen um Privatfinanzierungen haben in den letzten Monaten zugenommen. Anleger sehen sich mit Fragen zur schwindenden Kreditqualität, zu überholten Bewertungen, gelockerten Vergabestandards, zum Rücknahmerisiko bei bestimmten Fondsarten und zu den Auswirkungen KI-getriebener Umwälzungen konfrontiert. Dabei kreisen viele der Sorgen um direkte Unternehmenskredite – insbesondere um Business-Development-Gesellschaften (BDCs) und semiliquide Vehikel.

Bei einem derart engen Blickwinkel verliert man aber womöglich das Gesamtbild aus den Augen. Denn Private Credit ist eine breiter gefasste und stärker diversifizierte Anlageklasse, die eine ganze Reihe verschiedener Risikoengagements bietet. Neben traditionellen, vorrangig besicherten Unternehmenskrediten beinhaltet sie auch vermögensbasierte Finanzierungen (Asset-Based Finance, ABF) und Specialty Finance, Immobilien und Sondersituationen, die jeweils unterschiedliche Risiko- und Renditetreiber aufweisen. Alles in allem deuten dies auf ein stärker differenziertes Spektrum von Anlageimplikationen hin, die sich einigen wenigen Hauptthemen zuordnen lassen.

  • Das breitere Private-Credit-Universum hat nach wie vor seine Berechtigung in Portfolios. ABF und qualitativ hochwertige Verbraucher- und Hypothekendarlehen sorgen unverändert für eine erhebliche Diversifikation und bergen attraktiveres Wertpotenzial als direkte Unternehmenskredite. Asset-basierte Finanzierungen sind gemeinhin weniger mit den Gewinnzyklen der Unternehmen korreliert und bieten strukturellen Schutz vor Kursverlusten. Gezielte Engagements in Verbraucher- und Hypothekendarlehen, insbesondere in Verbindung mit einkommensstärkeren Haushalten, können mit einem attraktiveren Risiko-Rendite-Profil aufwarten.
  • Direktkredite werden letztlich den gesamten Kreditzyklus durchlaufen … Wie jedes ausgereifte Segment der Fremdkapitalfinanzierung dürften auch direkte Unternehmenskredite über kurz oder lang vor einem umfassenden Ausfallzyklus stehen – der ihre Resilienz gegenüber branchenspezifischen sowie makroökonomischen Schocks auf die Probe stellen sollte. Länger bestehende Kredite, die kurz nach der globalen Finanzkrise vergeben wurden, zeichnen sich durch eine bessere Dokumentation und mehr Kontrolle seitens der Kreditgeber aus. In den darauffolgenden Jahren hat die beispiellose Kapitalbeschaffung die Vergabestandards jedoch zunehmend untergraben. Je größer ihre Überschneidungen mit den öffentlichen Märkten, desto eher boten Direktkreditfonds Konditionen an, die mit jenen öffentlicher Fremdkapitalfinanzierungen vergleichbar waren – ohne dabei einen nennenswerten Ausgleich für ihre mangelnde Liquidität zu bieten. Die anhaltende Intransparenz und die mangelnde Offenlegung der fundamentalen Situation der Emittenten dürften also dafür sorgen, dass die Sorgen weiterhin um die Kreditqualität und die Bewertung der Portfolios kreisen.
  • … während die Gefahr von KI-bedingten Umbrüchen und das Klumpenrisiko die Performance weiterhin einschränken dürften. Das große Gewicht, das die Softwarebranche in Direct-Lending-Portfolios einnimmt, dürfte die relative Wertentwicklung sowohl gegenüber den öffentlichen Märkten als auch gegenüber anderen Private-Credit-Segmenten schmälern. Gleichzeitig haben die zunehmenden Überschneidungen in den Portfolios verschiedener Manager die Performance-Unterschiede verkleinert und damit den Spielraum für eine durch die Managerwahl bedingte Outperformance (Alpha) begrenzt – eine Dynamik, die sich in der relativen Wertentwicklung von neu aufgelegten Portfolios immer deutlicher abzeichnet.
  • Vorsicht, Liquiditätslücke. In den letzten Jahren haben sich semliquide Vehikel auf den privaten Märkten rasant verbreitet. Auch wenn das Risiko, dass sich ein Ereignis im Stil eines „Bankenansturms“ zu einem systemischen Schock ausweitet, angesichts der in diesen Vehikeln verankerten strukturellen Schutzmechanismen gering bleibt, dürften die jüngsten Vorfälle die Anleger dazu veranlassen, sowohl das Ausmaß der von ihnen in Kauf genommenen Illiquidität als auch die dafür erhaltene Entschädigung neu zu bewerten. Sie unterstreichen außerdem, wie überaus wichtig es ist zu verstehen, wie die Liquidität in verschiedenen Arten von semiliquiden Strukturen erreicht wird.

Abbildung 1: Der Anteil von PIK-Krediten in BDC-Portfolios stieg 2025 auf ein Niveau nahe dem Höchststand nach der Corona-Pandemie

Abbildung 1 zeigt den prozentualen Anteil von Sachleistungsdarlehen (Payment in Kind, PIK) in den Portfolios von Business Development Companies (BDC) im Lauf der Zeit. Der Anteil der PIK-Kredite nahm seit 2022 stetig zu, was sich bis in das Jahr 2025 fortsetzte; dabei näherte er sich dem höchsten Stand an, der in der Zeit nach der Corona-Pandemie beobachtet wurde. Die Abbildung deutet auf eine erneute Zunahme riskanterer Kreditstrukturen in BDC-Portfolios hin.
Quelle: Pitchbook LCD und PIMCO; Stand: Q3 2025.

Abbildung 2: BDCs werden nahe ihrem größten Abschlag zum Buchwert seit Beginn der Erholung nach der Corona-Pandemie gehandelt

Abbildung 2 vergleicht die Marktpreise von BDCs mit ihren ausgewiesenen Buchwerten im Zeitverlauf. Sie veranschaulicht, dass BDCs derzeit mit einem beträchtlichen und zunehmenden Abschlag gegenüber ihrem Buchwert gehandelt werden. Dabei ist der Abschlag so hoch wie seit dem Beginn der Erholung nach der Corona-Pandemie nicht mehr. Die Abbildung lässt darauf schließen, dass Anleger eine höhere Entschädigung für wahrgenommene Risiken fordern, einschließlich ihrer Bedenken hinsichtlich der Vermögensbewertung und der zugrunde liegenden Kreditqualität.
Quelle: Bloomberg und PIMCO; Stand: 24. Februar 2026.

Abbildung 3: Rückläufiger Anteil traditioneller Geschäfte zwischen einem einzelnen Kreditnehmer und einem einzelnen Kreditgeber in BDC-Portfolios

Abbildung 3 veranschaulicht den Anteil der BDC-Kredite, die in den vergangenen zehn Jahren als traditionelle Transaktionen zwischen einem einzigen Kreditnehmer und einem einzigen Kreditgeber strukturiert wurden. Die Daten zeigen einen deutlichen Abwärtstrend dieser Transaktionen in den letzten Jahren auf. Dieser Rückgang deutet auf eine Abkehr von den in der Vergangenheit üblichen Kreditstrukturen für den Mittelstand hin.
Quelle: Pitchbook LCD und PIMCO; Stand: Q3 2025.

Abbildung 4: BDC-Portfolios setzen sich tendenziell stärker aus größeren Kapitalstrukturen zusammen

Abbildung 4 veranschaulicht die Veränderungen im Umfang und in der Struktur der in den BDC-Portfolios gehaltenen Kredite während der vergangenen zehn Jahre. Die Zusammensetzung hat sich hin zu größeren Kapitalstrukturen verschoben, was die vermehrte Beteiligung an größeren Transaktionen widerspiegelt, bei denen oftmals mehrere Kreditgeber involviert sind.
Quelle: Pitchbook LCD und PIMCO; Stand: Q3 2025.

Parallel dazu kam es zu zwei weiteren Veränderungen. Erstens haben sich die Überschneidungen in den Portfoliobeständen verschiedener Manager stetig vergrößert. Abbildung 5 veranschaulicht diesen Trend, indem sie die Schnittmenge der Portfoliobestände für das Medianpaar der BDCs darstellt und die gemeinsamen Engagements hervorhebt.

Abbildung 5: Deutlich mehr Portfolioüberschneidungen in den letzten Jahren

Abbildung 5 misst den Grad der Überschneidung zwischen einzelnen BDC-Portfolios, indem sie das durchschnittliche gemeinsame Engagement von BDC-Paaren berechnet. Die Ergebnisse zeigen einen stetigen Anstieg der Portfolioüberlappung. Das deutet darauf hin, dass verschiedene Manager zunehmend in dieselben Kreditnehmer investieren, wodurch die Diversifizierung abnimmt und die Korrelation zwischen den Portfolios zunimmt.
Quelle: Pitchbook LCD und PIMCO; Stand: Q3 2025. Für jedes BDC-Paar werden die Mindestgewichte der sich überschneidenden Emittenten in beiden Portfolios zusammengezählt. Anschließend wird der Durchschnitt aller BDC-Paare berechnet.

Zweitens hat die starke Beteiligung von Private-Equity-Sponsoren an Softwareunternehmen, verbunden mit ihrer Vorliebe für Direktkredite als Finanzierungsmittel, zu einer ausgeprägten Branchenkonzentration geführt, wobei sich der Anteil der Softwarebranche in einem Jahrzehnt mehr als verdoppelt hat (siehe Abbildung 6).

Abbildung 6: Erhöhter Anteil von Softwareunternehmen in den BDC-Portfolios

Abbildung 6 zeigt die Sektorzusammensetzung von BDC-Portfolios mit Schwerpunkt auf der Beteiligung an Softwareunternehmen. Der Anteil softwarebezogener Investitionen hat sich im letzten Jahrzehnt deutlich erhöht und bleibt auf hohem Niveau. Das Diagramm verdeutlicht die zunehmende Branchenkonzentration, was auf ein erhöhtes Risiko im Zusammenhang mit spezifischen Gefährdungen der Softwarebranche hindeutet.
Quelle: Pitchbook LCD und PIMCO; Stand: Q3 2025.

Für Anleger bedeutet das Zusammenwirken dieser Kräfte eine geringere Diversifikation und eine stärkere Korrelation zwischen den Portfolios verschiedener Manager.

Abbildung 7: Deutliche Zunahme semiliquider Vehikel in den letzten Jahren

Abbildung 7 zeigt das Wachstum des verwalteten Vermögens in semiliquiden Private-Market-Vehikeln im Zeitablauf unter Ausschluss von nicht börsennotierten BDCs und privaten REITs. Die Kapitalsumme nahm von 2019 bis 2023 deutlich zu, worin sich ein großes Interesse der Anleger an einem Zugang zum privaten Markt mit periodischer Liquidität widerspiegelt. Die Grafik verdeutlicht die rasante Ausbreitung von semiliquiden Anlagestrukturen.
Quelle: Preqin und PIMCO; Stand: Dezember 2025. Nicht enthalten sind nicht börsennotierte BDCs und private REITs.

Abbildung 8: Das Gros der Privatmarktanlagen bleibt in Vintage-Fonds investiert

Abbildung 8 vergleicht die Summe des in semiliquide Vehikel investierten Vermögens mit dem in traditionelle Vintage-Privatmarktfonds investierten Vermögen. Trotz des Wachstums bei semiliquiden Strukturen zeigt die Grafik, dass Vintage-Fonds weiterhin das Gros der Privatmarktanlagen halten. Das legt nahe, dass langfristige geschlossene Fondsstrukturen nach wie vor die dominierende Art der Privatmarktanlagen sind.
Quelle: Pitchbook LCD und PIMCO; Stand: Q2 2025. Gesamtvermögen in semiliquiden Vehikeln, einschließlich nicht börsennotierter BDCs und privater Immobilienfonds (REITs), im Vergleich zu Vintage-Fonds. Es werden ausschließlich Fonds mit einem AUM von mindestens 100 Millionen US-Dollar berücksichtigt.

Während das Risiko einer echten „Bankenpanik“ bei diesen Vehikeln grundsätzlich gering ist, da Rücknahmen vertraglich explizit eingeschränkt sind und die Manager Mittelbewegungen steuern können, bedeutet semiliquide nicht gleich vollständig liquide. Wie bei traditionellen Vintage-Fonds müssen Anleger auch hier ihren eigenen Liquiditätsbedarf und ihre Toleranz für einen eingeschränkten Zugang zu ihrem Kapital, insbesondere in Zeiten erhöhter Volatilität, abwägen. Die jüngste Untersuchung der Rücknahmen von semiliquiden Direct-Lending-Fonds hebt diesen Sachverhalt hervor und unterstreicht, dass Liquidität an Bedingungen geknüpft und keineswegs garantiert ist.

Was oftmals weniger Beachtung findet, sind dagegen die maßgeblichen Unterschiede, die es innerhalb des semiliquiden Universums gibt. Denn während diese Vehikel Anlegern die Möglichkeit bieten, fortlaufend Kapital einzusetzen, unterliegen sie verschiedenen regulatorischen Rahmenbedingungen und unterscheiden sich auch mit Blick darauf, wie sie den Anlegern Zugang zu Liquidität gewähren.

Bei nicht börsennotierten BDCs, privaten REITs und Evergreen-Fonds liegt der Zugang zu Liquidität letztlich im Ermessen des Managers: Die Anleger verkaufen dem Manager de facto eine Put-Option, deren Wert genau dann steigt, wenn die zusammengefasste Nachfrage nach Liquidität zunimmt oder sich die Marktbedingungen verschlechtern. In solchen Momenten kann die realisierbare Liquidität maßgeblich von den vereinbarten Rückzahlungsbedingungen abweichen.

Im Gegensatz dazu ist diese Optionalität bei Intervall-Fonds nicht gegeben: Rückkäufe erfolgen in zuvor festgelegten Intervallen und sind auf einen festen Prozentsatz des ausgewiesenen Nettoinventarwerts (NIW) begrenzt, was den Anlegern eine Abwicklung gemäß den vereinbarten Bedingungen garantiert.

Das macht Intervall-Fonds aber nicht liquider, sondern nur weniger mehrdeutig und transparenter: Ihre Liquidität ist ganz explizit begrenzt, an Regeln gebunden und wird systematisch und nicht nach Ermessen bereitgestellt.

1 BDCs sind Fonds, die in kleine und mittelständische private US-Unternehmen investieren. Semiliquide Vehikel sind Investmentfonds, die periodische Rücknahmemöglichkeiten anstelle von täglicher Liquidität bieten.

2 Die Begriffe ABF und Specialty Finance werden oftmals synonym zur Beschreibung von privaten Krediten verwendet, die mit bestimmten Vermögenswerten und Sicherheiten wie Flugzeugen, Autokrediten und Hypotheken hinterlegt sind. Sondersituationen sind einzigartige, oftmals einmalige Ereignisse, die sich auf die Bewertung von Vermögenswerten auswirken und Anlagechancen eröffnen.

3 Evergreen-Fonds sind Investmentfonds ohne festgelegtes Laufzeitende, die kontinuierlich Kapital aufnehmen und Erlöse aus Positionsverkäufen in neue Positionen reinvestieren, sodass Anleger periodisch ein- und aussteigen können und nicht nur zum Laufzeitende des Fonds. Intervallfonds sind geschlossene Investmentfonds, die ihren Anlegern nur in bestimmten Abständen (etwa vierteljährlich oder halbjährlich) Liquidität in Form von begrenzten Rückkaufangeboten anstelle von täglichen Rücknahmen bieten.

4 Eine Put-Option ist ein Finanzkontrakt, der dem Inhaber das Recht, aber nicht die Pflicht gibt, einen Basiswert bis zu einem bestimmten Datum zu einem festgelegten Preis zu verkaufen.

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