Konjunkturausblick: Strukturelle Kräfte, langfristige Auswirkungen
Längerfristige strukturelle Kräfte prägen den Konjunkturausblick für die kommenden sechs bis zwölf Monate. Bereits in unserem jüngsten Secular Outlook „Bruch und Belastbarkeit“ haben wir die fortschreitende Fragmentierung traditioneller Handels-, Sicherheits- und Finanzallianzen beschrieben – ein Thema, das wir erstmals in unserem Langfristausblick 2025 „Die Zeit der Fragmentierung“ hervorgehoben haben. Das bedeutet, dass die Geopolitik das Wachstum und die Inflation direkter und unmittelbarer prägt.
Da die Globalisierung auf dem Rückzug ist, haben Regierungen und Unternehmen stärkere Anreize, in den Aufbau widerstandsfähigerer Gesellschaften und Lieferketten zu investieren. Dieser Imperativ fiel mit dem Aufstieg der künstlichen Intelligenz zusammen, die eine starke Wechselwirkung zwischen technologischer Innovation und ökonomischer Sicherheit schafft. Schnelle KI-Investitionen, -Entwicklungen und -Anwendungen sind sowohl durch unternehmerische als auch durch nationale Prioritäten motiviert. Das Ergebnis ist ein Investitionszyklus, der mit dem Ausbau von Telekommunikation und Internet in den 1990er-Jahren vergleichbar ist, jedoch noch schneller abläuft (siehe Abbildung 1). Das Paradoxe ist, dass ein wachstumsfördernder Investitionsboom gleichzeitig neue Quellen der Unsicherheit erzeugt angesichts der Befürchtung, dass sich die Fähigkeiten der KI schneller entwickeln könnten als die Governance- und Sicherheitsregeln in diesem Bereich.
Die Energiepreise, die durch den Konflikt im Mittleren Osten stark gestiegen sind, haben die Gesamtinflation steigen lassen. Das hat seit Beginn des Konflikts zu einer Veränderung der geldpolitischen Erwartungen geführt, wobei die Märkte Zinserhöhungen einpreisen, was die Anleihenrenditen nach oben treibt. Zu den Folgeeffekten gehören höhere US-Hypothekenzinsen und höhere Kosten für den Schuldendienst für Unternehmen und Regierungen, was das Wachstum potenziell hemmen könnte.
Und dennoch ist die Weltwirtschaft widerstandsfähig geblieben, einschließlich energieimportierender Länder und US-Handelspartner, die mit höheren Zöllen konfrontiert sind. Die große Ausnahme ist China, wo ein profunder und anhaltender Abschwung am Immobilienmarkt, eine schwache Inlandsnachfrage und ein Übermaß an Produktionskapazitäten die Konjunktur und die Inflation belasten.
Der Anstieg der Energiekosten hatte nur moderate Auswirkungen auf die Kerninflation und das nominale Lohnwachstum. Die Zentralbanken konzentrieren sich weiterhin auf Inflationsrisiken und darauf, die Inflationserwartungen zu verankern. Die zusätzliche geldpolitische Straffung, die in den Industrie- und Schwellenländern erwartet wird, wurde gut kommuniziert und spiegelt sich nun weitgehend in den Marktpreisen wider. Unser Basisszenario ist, dass die Federal Reserve und andere große Zentralbanken die aktuell an den Märkten eingepreisten Zinserhöhungen letztlich nicht vollständig umsetzen müssen.
Wir erwarten deshalb in unserem Basisszenario, dass sich das stabile globale Wachstum fortsetzt, während die Inflation mit dem Abklingen des Energiepreisschocks nachlässt. Dieses vergleichsweise günstige Basisszenario beruht teilweise auf der Annahme, dass die Energiepreise im Lauf der Zeit entsprechend den Erwartungen an den Future-Märkten fallen werden. Eine Eskalation oder eine Lösung des Iran-Konflikts könnte die Preise jedoch potenziell erheblich beeinflussen – nach oben wie nach unten. Grundlage unseres Basisszenarios sind drei wirtschaftliche Faktoren:
- Der globale KI-Investitionszyklus läuft weiter, ohne eine konjunkturelle Überhitzung zu verursachen. Die KI-bezogene Nachfrage übersteigt weiterhin das Angebot. Die größten Hyperscaler sind dazu übergegangen, den Ausbau ihrer Infrastruktur nicht mehr aus dem operativen Cashflow und der Bilanzkapazität zu finanzieren, sondern verstärkt auf die Emission von Schuldtiteln sowie auf außerbilanziellen Verpflichtungen zu setzen. Die Investitionen in KI-Infrastruktur beschleunigen sich weltweit, obschon die USA und China weiterhin führend sind.
- Die Haushalte und China absorbieren weiterhin die globalen Auswirkungen höherer Energiepreise. Solide Bilanzen der Haushalte haben es den Verbrauchern ermöglicht, ihre Ausgaben aufrechtzuerhalten, indem sie ihre Sparquoten zurückgefahren haben. China hat die gestiegenen Produktionskosten durch geringere Margen, den Abbau von Lagerbeständen und eine Verlagerung der Binnennachfrage hin zu erneuerbaren Energiequellen aufgefangen. Dadurch blieb die Weitergabe der Kostensteigerungen an die globalen Güterpreise begrenzt.
- Ein Schritt-für-Schritt-Ansatz in der Zentralbankpolitik und die KI-bezogene Risikobereitschaft helfen, die Finanzierungsbedingungen relativ stabil zu halten. Das Lohnwachstum und der Druck auf die Lohnstückkosten nehmen ab, die langfristigen Inflationserwartungen bleiben gut verankert, und ein Großteil des aktuellen Inflationsdrucks spiegelt Energie- und andere nicht arbeitsbezogene Kosten wider. Wir erwarten, dass die Fed unter ihrem Präsidenten Kevin Warsh den breiten geldpolitischen Rahmen und das Inflationsziel von zwei Prozent beibehält, obwohl Änderungen in der Kommunikationsstrategie der Fed zu Volatilität bei den kurzfristigen Zinsen führen könnten.
Unterhalb dieser Faktoren verändert die KI die Zusammensetzung von Wachstum und Inflation. Investitionen erhöhen die Preise einiger dafür benötigter Vorprodukte, während die Erwartungen an ein KI-gesteuertes Produktivitätswachstum die Aktienkurse stützen und Vermögenseffekte erzeugen.
KI könnte bereits jetzt zu strukturellen Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt beitragen (mehr dazu finden Sie in unseren Makro Signposts vom 19. August 2026 mit dem Titel „Counterintuitive Labor Market Shifts Constrain Measured U.S. Wage Gains“). Die Einstellungen sind in einigen höher bezahlten, technologienahen Berufen unverhältnismäßig stark zurückgegangen, während der Lohndruck nachgelassen hat. Wenn sich diese Trends vertiefen und ausweiten, könnte KI gleichzeitig die Produktivität steigern und die Inflation der Arbeitskosten eindämmen – mit ausgleichenden Auswirkungen auf die breitere Inflation.
Ein stabiles Basisszenario, jedoch mit erhöhten Risiken in den Randbereichen
Wenn unser Basisszenario von der Widerstandsfähigkeit der oben genannten drei Faktoren abhängt, bestehen die Hauptrisiken darin, dass einer oder mehrere dieser Faktoren wegbrechen könnten. Da KI-Investitionen, Haushaltsvermögen und Finanzierungsbedingungen zunehmend miteinander verknüpft sind, könnte ein Versagen eines einzigen Faktors zusätzlichen Druck auf die beiden anderen ausüben. Aufgrund dieser wesentlichen Risiken sehen wir ein breites Spektrum möglicher Ergebnisse auf beiden Seiten des Basisszenarios.
Risiko 1: KI-Investitionen, Hauptmotor des Wirtschaftswachstums, verlangsamen sich oder sind rückläufig
Ein massiver Einbruch der KI-Investitionen erscheint unserer Ansicht nach über den Horizont von sechs bis zwölf Monaten unwahrscheinlich. Der Ausbau von Rechenzentren, Stromerzeugung und Kommunikationsinfrastruktur befindet sich noch in einem frühen Stadium, während die Investitionen in Chips, Computer und verwandtes Equipment weiterhin robust sind.
Die KI-Investitionen müssen jedoch nicht schrumpfen, um ihren stimulierenden Effekt auf das Wirtschaftswachstum zu verlieren. Wenn das Investitionswachstum nachlässt, wird auch dessen Beitrag zum BIP-Wachstum zurückgehen. Sicherheitsbedenken bei KI, Sicherheitslücken, politischer Widerstand (insbesondere vor den US-Zwischenwahlen) und Infrastrukturengpässe könnten die Investitionen genauso verlangsamen wie ungünstigere Finanzierungsbedingungen. Die konjunkturelle Widerstandsfähigkeit würde dann stärker davon abhängen, dass KI-getriebene Produktivitätsgewinne schnell genug eintreten, um den schwindenden Investitionsimpuls zu ersetzen.
Über einen mehrjährigen Prognosezeitraum bleibt ein KI-Crash ein erhebliches Risiko, auch wenn der Zeitpunkt äußerst ungewiss ist. Die Einführung von KI-Applikationen könnte auch dann weitergehen, wenn Monetarisierung und Nutzung im Vergleich zu den ursprünglichen Annahmen und Erwartungen enttäuschen. Eine Neubewertung von KI-bezogenen Aktien könnte einen bedeutenden negativen Vermögenseffekt erzeugen – selbst dann, wenn qualitativ hochwertige KI-Kredite vergleichsweise abgeschirmt bleiben. Sowohl die US-Haushalte als auch ausländische Privatanleger sind inzwischen erheblich in US-Aktien investiert.
Risiko 2: Der Schock bei der Energieversorgung verschärft sich, und die Energiepreise übertreffen die Markterwartungen
Die Spannungen im Mittleren Osten stören die Öllieferungen und lassen die Vorräte schrumpfen, obwohl Berichte des US-Energieministeriums darauf hinweisen, dass die Transporte durch die Straße von Hormus in den vergangenen Wochen zugenommen haben. El Niño könnte zusätzliche Inflationsrisiken schaffen, wenn sich Lebensmittel und Dünger verteuern und Transportwege nicht nutzbar sind. Ein schwerwiegenderer oder anhaltender Energieschock – zusätzlich zum erhöhten Risiko einer politischen Reaktion der Zentralbank – könnte eine größere reale Belastung für Haushaltseinkommen und Unternehmen darstellen und gleichzeitig Chinas Fähigkeit testen, weiterhin höhere Herstellungskosten zu tragen.
Risiko 3: Die Finanzierungsbedingungen verschärfen sich abrupt
Sich summierende Angebotsschocks treiben gleichzeitig die Inflation an und lassen die Nachfrage schrumpfen. Dies könnte zu ungünstigeren globalen Finanzierungsbedingungen beitragen – das heißt höheren Zinssätzen, strengeren Kreditstandards, größeren Kredit-Spreads und anderen Faktoren, die das Wachstum auf breiter Basis hemmen.
Eine restriktivere Geldpolitik der Zentralbanken ist ein möglicher Auslöser hierfür. Nach mehreren Jahren einer über dem Zielwert liegenden Inflation und von Angebotsschocks könnten die Zentralbanken dem Risiko, dass sich ein weiterer vorübergehender Schock in den Inflationserwartungen verfestigt, größere Bedeutung beimessen. In diesem Szenario würden die Entscheidungsträger eine stärkere geldpolitische Straffung vornehmen, als die Märkte derzeit einpreisen.
Die Finanzierungsbedingungen könnten sich jedoch auch aus anderen Gründen verschärfen. Investoren könnten eine höhere Vergütung für eine breite Palette von Assets verlangen, da die Unsicherheit steigt, und zwar insbesondere dann, wenn das Vertrauen in den KI-Investitionszyklus nachlässt und die Energiepreise hoch bleiben. Höhere Zinssätze könnten Verwundbarkeiten aufdecken und das Risiko von „Unfällen“ an den Finanzmärkten erhöhen.
Die Haushaltsdefizite bleiben eine Herausforderung
Höhere Energiepreise, die die globalen Renditen nach oben getrieben haben, erhöhen auch die Kreditkosten der Regierungen – und das zu einer Zeit, in der die staatlichen Schuldenquoten in den meisten Volkswirtschaften nahezu auf Rekordhochs liegen und der fiskalische Spielraum begrenzt ist. Und dennoch: Unserer Ansicht nach bleiben die Staatsschulden in den meisten Industrieländern trotz des weltweiten Anstiegs der Renditen weiterhin beherrschbar. Das Vereinigte Königreich, Italien und Japan bleiben verwundbar – vor allem Japan, wo infolge politischer Maßnahmen zuletzt das staatliche Defizit gestiegen ist. Dennoch erscheint die Entwicklung der Verschuldung in diesen drei Ländern unter den aktuellen Haushaltsplänen tragfähig zu sein.
Zwei Länder stechen durch eine anspruchsvollere Verschuldungsentwicklung hervor: die USA und Frankreich. Während ein langwieriger US-Iran-Konflikt zusätzliche Ausgaben über unseren Prognosezeitraum hinweg erfordern könnte, behält die USA wichtige Trümpfe in der Hand. Sie geben die globale Reservewährung aus. Die USA erhaben außerdem weniger Steuren als die meisten anderen entwickelten Volkswirtschaften und haben daher eine potenzielle Einnahmequelle, falls der politische Wille entsteht, diese zu nutzen. Die fiskalische Situation erscheint zudem auf Basis des Verhältnisses von Schulden zu Vermögen deutlich robuster, als dies die etablierten Schulden-Einkommens-Kennzahlen vermuten lassen.
Frankreich könnte indes weniger Spielraum haben. Im Gegensatz zu den USA lässt die ohnehin schon hohe Steuerlast weniger Spielraum für Einnahmen. Die Fiskalpolitik muss letztlich straffer werden, um den Schuldenpfad zu stabilisieren. Aber eine kurzfristige Lösung erscheint angesichts der Unsicherheit bei der Präsidentschaftswahl und des begrenzten Willens für diffizile Reformen schwierig.
Wir erwarten, dass fiskalische Sorgen weiterhin die episodische Volatilität an den globalen Märkten antreiben werden. Allerdings erhalten Anleger höhere Renditen für Staatsanleihen als vor einem Jahr, um diese Risiken auszugleichen. Sollten die Regierungen zudem notwendige fiskalische Reformen anpacken – die geplante Straffung des Staatshaushalts in Großbritannien ist ein gutes Beispiel –, könnten die Renditen wieder sinken.
Anlageausblick: Was steigende Renditen für Anleihen bedeuten
In unserem langfristigen Konjunkturausblick 2024 mit dem Titel „Anleihenrenditen im Vorteil“ hatten wir untersucht, wie der Inflationsschock nach der Pandemie und der Zyklus der Zinserhöhungen zu einem historischen Anstieg der Anleihenrenditen geführt haben. In diesem Jahr löste der Konflikt im Mittleren Osten einen neuen Inflationsschock aus, der die Renditen weiter in die Höhe getrieben hat. Die aktuell höheren Renditen könnten Einkünfte generieren, die die Kursrückgänge in einem Ausmaß ausgleichen, wie es 2022 noch nicht möglich war. Dennoch war der Weg nach oben für Investoren eine Herausforderung.
Um zu verstehen, wohin die Renditen von hier aus gehen könnten, ist es hilfreich zu untersuchen, warum sie gestiegen sind. Mehrere Kräfte haben dazu beigetragen, einige stärker als andere:
- Höhere Energiepreise und deren Auswirkungen auf die geldpolitischen Erwartungen waren die Haupttreiber für den Anstieg der realen Renditen. Sowohl die realen (inflationsbereinigten) als auch die nominalen Renditen sind nach der Pandemie deutlich gestiegen. Der jüngste Renditeanstieg spiegelt höhere Energiepreise wider, die breitere inflationshemmende Trends überschatten und dazu geführt haben, dass die Märkte mehr Zinserhöhungen der Zentralbank erwarten, als zuvor eingepreist worden waren. Wichtig ist, dass die realen Renditen und nicht die Inflationserwartungen der Haupttreiber für die steigenden nominalen Renditen in den vergangenen Monaten waren, wobei die Zehn-Jahres-Break-even-Renditen (Kostendeckungsrenditen) zeigen, dass die Inflationserwartungen weitgehend unverändert bleiben. Ein langwieriger Konflikt im Nahen Osten könnte schließlich die globalen Finanzierungsbedingungen angesichts der Preisänderungen bei vielen Anlageklassen – nicht nur durch höhere Zinssätze – erheblich verschärfen, was das Wachstum insbesondere in energieimportierenden Ländern potenziell beeinträchtigen könnte.
- Die Realrenditen spiegeln zwei Komponenten wider: den realen neutralen Zinssatz, der gestiegen ist, und die Laufzeitprämie, die nicht gestiegen ist. Die Schätzungen für den realen neutralen Zinssatz (bekannt als r* oder r-Star) in den USA sind gestiegen. Der Mittelwert mehrerer US-Kennzahlen deutet darauf hin, dass r* – der inflationsbereinigte Basiszinssatz, der die Konjunktur weder stimuliert noch bremst – von etwa 0,5 Prozent vor der Pandemie auf aktuell etwa 1,5 Prozent gestiegen sein könnte (mehr dazu finden Sie in unseren „Makro Signposts“ vom 23. September 2026 mit dem Titel „A Recalibration, Not a Rate-Hike Cycle“). Ein potenziell höheres US-Wachstum, gestützt durch höhere Produktivität und höhere Investitionen, scheint einen Großteil des Anstiegs zu erklären. Auch die Schätzungen für den erwarteten durchschnittlichen kurzfristigen Zinssatz, der im Fünf-Jahres- und im Fünf-Jahres-Forward-Satz verankert ist, sind gestiegen (siehe Abbildung 2). Im Gegensatz dazu zeigt das sogenannte „Adrian, Crump and Moench Framework“ (ACM) der New Yorker Notenbank, dass die Laufzeitprämie (also die Vergütung, die Investoren für das Risiko bekommen, Anleihen längerfristig zu halten) stabiler geblieben ist.
- Fiskalische Bedenken waren kein wesentlicher Treiber für den jüngsten Anstieg der Renditen. Fiskalische Herausforderungen sind nicht neu und scheinen bereits in die Marktpreise integriert zu sein. Die Renditen sind über die Laufzeiten hinweg gestiegen, jedoch nicht primär bei lang laufenden Anleihen, die tendenziell sensibler auf fiskalische Bedenken reagieren. Die Renditen sind weltweit gestiegen, auch in Ländern mit robusteren fiskalischen Aussichten als in den USA. Das wichtigste fiskalische Risiko, das die Anleihenrenditen steigen lassen und die Zinskurven steiler machen könnte, ist eine weitere fiskalische Lockerung.
- Das Ausmaß der mit dem KI-Aufbau verbundenen Emission von Unternehmensanleihen könnte ein Faktor sein, der dazu beiträgt. Hyperscaler, die sich in einer Zeit, in der es ein großes Angebot an US-Staatsanleihen gibt, viel Geld am Kapitalmarkt leihen, könnten zumindest teilweise für den Anstieg der Renditen verantwortlich sein, obwohl die Daten ein komplexeres Bild zeichnen (mehr dazu finden Sie in unserem Artikel vom 28. September 2026 mit dem Titel „The Credit Market Lens: Hyperscalers Are Repricing, Not Displacement (So Far)“).
Mit Blick auf die Zukunft gehen wir davon aus, dass die Zentralbanken glaubwürdig an ihrem Ziel festhalten, die Inflation zu bändigen. Das kann einen unterstützenden Rahmen für Anleihen schaffen, denn es hilft, die Unsicherheit der Anleger mit Blick auf die mittelfristigen Renditeaussichten zu verringern. Letztlich kann dies dazu beitragen, die negative Korrelation zwischen Anleihen und Aktien wiederherzustellen, was die Duration zu einer effektiven Portfolio-Absicherung macht. Solche negativen Korrelationen neigen dazu, sich über die Zeit wieder durchzusetzen.
Aktuell werden Anleger für höhere neutrale Zinssätze entschädigt. Die Anfangsrenditen – historisch stark korreliert mit den fünfjährigen Renditen – machen Anleihen zu einer potenziell attraktiven und Erträge generierenden Anlageklasse, während sie gleichzeitig einen potenziell effektiven Schutz gegen einen mit Unsicherheiten behafteten Ausblick darstellen.
Selbst nach dem jüngsten Anstieg liegen die Anleihenrenditen wieder nahe an ihren langfristigen historischen Durchschnittswerten – Niveaus, die es zuletzt in den 1990er- und frühen 2000er-Jahren gab, also vor der Ära der Niedrigzinsen infolge der globalen Finanzkrise. Obwohl die realen Renditen weiter steigen könnten, bieten die heutigen Niveaus Erträge, die in verschiedenen Szenarien unterstützend sein können. Festverzinsliche Anlagen benötigen keinen Renditerückgang, um robuste absolute und relative Erträge zu erzielen. Aber es gibt auch bullishe Szenarien, falls die Renditen doch sinken – zum Beispiel dann, wenn tatsächlich ein KI-getriebener Inflationsrückgang eintreten sollte.
Wie man Portfolio-Resilienz aufbaut
In einer Welt, in der das Basisszenario zwar günstig ist, aber die Risiken erheblich sind, sollten Anleger Portfolios aufbauen, die in verschiedenen Szenarien Widerstandsfähigkeit beweisen.
Setzen Sie auf ein diversifiziertes, globales Portfolio mit qualitativ hochwertiger Duration
Attraktive Anfangsrenditen – und das Einkommen, das sie bieten können – sind ein wirksamer Schutz vor Inflationsrisiken. Gleichzeitig behalten Anleihen das Potenzial, als Absicherung gegen einen nachlassenden KI-Investitionszyklus oder einen Wachstumsschock zu dienen. Eine globale Anleihenallokation über Industriestaaten und Schwellenländer hinweg kann dazu beitragen, länderspezifische Faktoren, einschließlich fiskalischer Risiken, zu diversifizieren.
Unsere Ansichten zu Zinskurven werden ausgewogener, da Anleger nun gesunde Renditen über sämtliche Laufzeiten hinweg finden können. Wir halten US-Staatsanleihen mit mittleren Laufzeiten (fünf bis sieben Jahre) weiterhin für attraktiv. Mit steigenden Renditen sehen wir zunehmend Chancen bei länger laufenden Anleihen. Wir sehen daher werthaltige Investments für geduldige Anleger mit einem mittleren Zeithorizont.
Daten zeigen, dass Haushalte im historischen Vergleich weiterhin zu stark auf Aktien und Cash setzen und zu wenig auf Anleihen, obwohl die aktuellen Anleihenrenditen mit den Gewinnrenditen von Aktien durchaus mithalten können.
Gehen Sie bei Kredittiteln und im KI-Sektor selektiv vor
Der Ausbau der KI-Infrastruktur steht im Mittelpunkt der Anlagechancen im Kreditmarkt. Ein Großteil der Prognosen für die KI-Investitionen wurde in den sechs- bis zwölfmonatigen Betrachtungshorizont vorgezogen. Allerdings sind die Kreditspreads derzeit eng, und die KI-bezogenen Korrelationen steigen, da in diesem Sektor mehr Schulden aufgenommen werden (weitere Informationen finden Sie in unserer Veröffentlichung vom 14. September 2026 mit dem Titel „The Credit Market Lens: One AI Trade for Now, Many Trades Later“).
Wir konzentrieren uns auf Selektivität, Relative Value und den Schutz vor Abwärtsrisiken, um eine angemessene Risikokompensation sicherzustellen. Im Bereich KI-bezogener Kredite kann das bedeuten, mehr Entschädigung für regulatorische und rechtliche Risiken sowie politische Aspekte der US-Zwischenwahlen einzufordern.
In einer Zeit der KI-Disruption ist Diversifizierung wichtiger denn je. Investoren sollten darauf achten, in welchen Sektoren es zu Disruption kommen kann. Software ist ein offensichtlicher Kandidat, aber die Bandbreite ist größer: Unternehmen, die im Rennen um die KI-Implementierung zurückbleiben, laufen Gefahr, abgehängt zu werden. In manchen Bereichen könnte der durch KI verstärkte Wettbewerb Unternehmen zwar nicht aus dem Markt drängen, jedoch die Margen unter Druck setzen.
Höhere Zinsen werden Auswirkungen auf die Kreditausfälle haben und einen Zyklus beeinflussen, der aktuell bereits in vollem Gange ist. Im Bereich der direkten Kreditvergabe an Unternehmen erleben Anleger im Vergleich zu den Renditen der vergangenen Jahre aktuell Enttäuschungen. Die Auswirkungen könnten bei Investmentvehikeln, die am stärksten von Ratings und Liquiditätseinschränkungen beeinflusst werden, noch deutlicher sein, denn diese Vehikel wurden größtenteils für ein günstiges Kredit- und Zinsumfeld konstruiert. Viele dieser Vehikel haben in den vergangenen Jahren ein deutliches Wachstum verzeichnet und stehen nun vor Herausforderungen durch höhere Zinsen und eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit.
Wir streben Flexibilität bei der Kreditallokation an und nutzen dabei den Relative-Value-Ansatz als Orientierungshilfe über verschiedene Sektoren hinweg. Wir finden weiterhin Werthaltigkeit und attraktive Titel im Bereich Real Asset Finance (Finanzierung von Sachanlagen) und Asset Based Lending (vermögensbasierte Kreditgeschäfte), auch wenn die jüngste Outperformance dazu geführt hat, dass der relative Bewertungsvorteil in einigen Bereichen geschrumpft ist.
Berücksichtigen Sie Rohstoffe und reale Vermögenswerte, um angebotsseitige Risiken abzusichern
In einer Zeit, die zunehmend von geopolitischen Schocks sowie solchen im Energie- und sonstigen Versorgungsbereich geprägt ist, müssen Portfolios gegen Szenarien abgesichert werden, in denen die Inflation steigt, während sich das Wachstum abschwächt. Rohstoffe und ausgewählte reale Vermögenswerte können die Duration ergänzen. Denn sie bieten Engagements in Bereichen, die von Knappheit und Angebotsdruck charakterisiert sind, was sowohl das Wirtschaftswachstum als auch konventionelle Finanzanlagen beeinträchtigen könnte.
Schlussfolgerung
Die Rahmenbedingungen für diesen Konjunkturzyklus bleiben insgesamt unterstützend. Ein Teil dieser Resilienz beruht jedoch auf einem Investitionsboom, der sowohl von den wirtschaftlichen Chancen der KI als auch von strategischem Handlungsdruck angetrieben wird und sich möglicherweise schneller entwickelt als die entsprechenden regulatorischen und sicherheitsrelevanten Rahmenbedingungen. Dies schafft Potenzial für Produktivität und Wachstum, erhöht zugleich jedoch das Risiko außergewöhnlicher Entwicklungen.
Unserer Ansicht nach sollten Portfolios so positioniert sein, dass sie am Basisszenario partizipieren und gleichzeitig diesen Risiken standhalten. Bei den aktuellen Anfangsrenditen bleibt dies aus unserer Sicht ein überzeugendes Argument für Anleihen.